Wenn die Tage kürzer werden und die Sonne sich nur selten zeigt, taucht jedes Jahr dieselbe Frage auf: Leiden unsere Tiere im Winter unter einem Vitamin-D-Mangel?
Beim Menschen ist bekannt, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel die Knochengesundheit beeinträchtigen kann und möglicherweise auch Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden hat. Doch lässt sich das einfach auf Hund, Katze oder andere Haustiere übertragen? Die Antwort lautet: Nicht ohne Weiteres. Tatsächlich unterscheiden sich Tiere in ihrem Vitamin-D-Stoffwechsel deutlich vom Menschen.
Wie gelangt Vitamin D in den Körper?
Beim Menschen entsteht der größte Teil des Vitamin D durch die Einwirkung von UVB-Strahlung auf die Haut. Anschließend wird das Vitamin in Leber und Niere in seine aktive Form umgewandelt. Ein kleiner Teil wird zusätzlich über die Nahrung aufgenommen.
Gerade im Winter reicht die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden häufig nicht aus, um ausreichend Vitamin D zu bilden. Deshalb wird für Menschen in bestimmten Situationen sogar eine Supplementierung empfohlen.
Warum Hunde und Katzen anders versorgt werden
Bei unseren Haustieren funktioniert dieser Mechanismus jedoch anders.
Das Fell schützt die Haut vor UV-Strahlung. Dadurch wird nur sehr wenig oder gar kein Vitamin D über die Haut gebildet. Bei Katzen kommt hinzu, dass ihnen die notwendige Vorstufe für die körpereigene Vitamin-D-Synthese in der Haut weitgehend fehlt.
Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass sich Vitamin D im Fell bildet und anschließend beim Putzen aufgenommen wird. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftliche Grundlage.
Hunde und Katzen sind auf die Aufnahme von Vitamin D über ihre Nahrung angewiesen
- Leber, Niere – relativ wenig, Bedarfsdeckung allein darüber nicht möglich
- Eigelb – relativ wenig, Bedarfsdeckung allein darüber nicht möglich
- fettreiche Seefische wie Lachs oder Hering
- Lebertran (nur aufgrund einer Berechnung einsetzen)
Wie werden Pflanzenfresser mit Vitamin D versorgt?
Bei Pflanzenfressern wie Kaninchen oder Meerschweinchen stammt Vitamin D überwiegend aus sonnengetrocknetem Heu und Kräutern. Erst durch die Sonneneinstrahlung entsteht in den Pflanzen die Vorstufe des Vitamins.
Frisch geerntete oder ausschließlich künstlich getrocknete Pflanzen enthalten deutlich geringere Mengen. Deshalb spielt hochwertiges, sonnengetrocknetes Heu eine wichtige Rolle in der Ernährung pflanzenfressender Heimtiere.
Ist eine Vitamin-D-Ergänzung für Hunde und Katzen sinnvoll?
Ja und das zu jeder Jahreszeit.
Ein Mangel entsteht bei Hund und Katze in der Regel nicht allein durch die dunkle Jahreszeit, sondern vielmehr durch eine unausgewogene Ernährung oder Erkrankungen, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen.
Da Vitamin D fettlöslich ist, kann eine Überversorgung gesundheitsschädlich sein. Eine Supplementierung sollte deshalb niemals „auf Verdacht“ erfolgen.
Vitamin-D-Präparate nur nach einer Rationsüberprüfung einsetzen
- Erhält Dein Tier ein ausgewogenes Alleinfuttermittel, besteht meist kein zusätzlicher Bedarf
- In einem korrekt berechneten BARF- oder Kochplan sind Vitamin-D-Quellen in die Ration einberechnet
- Bei selbst zusammengestellten Rationen lohnt sich eine Überprüfung durch eine qualifizierte Tierernährungsberatung
- Nahrungsergänzungen sollten immer individuell dosiert werden – denn sowohl ein Mangel als auch eine Überversorgung können gesundheitliche Folgen haben.
Mein Fazit
Ob Winter oder Sommer: Für Hunde und Katzen ist nicht die Sonneneinstrahlung entscheidend, sondern eine bedarfsgerechte Ernährung. Anders als beim Menschen spielt die körpereigene Vitamin-D-Bildung über die Haut kaum eine Rolle.
Heidi Herrmann – G & H Tierernährung, Tierernährungsberaterin und Tierheilpraktikerin