Übergewicht bei Hund und Katze: Warum Fett nicht der Feind ist

Sehr dicker Mops kann kaum sitzen

Viele Hunde und Katzen bringen nach einem bewegungsarmen Winter oder einer verwöhnenden Urlaubszeit ein paar Kilo zu viel auf die Waage. Der erste Gedanke vieler Tierhalter lautet dann: Weniger Fett füttern – dann nimmt mein Tier ab. Doch genau dieser Ansatz führt häufig in die falsche Richtung.

Als Tierernährungsberaterin und Tierheilpraktikerin erlebe ich immer wieder, dass Fett fälschlicherweise als Hauptursache für Übergewicht angesehen wird. Tatsächlich ist nicht ein einzelner Nährstoff schuld, sondern eine dauerhaft höhere Energieaufnahme als der Energieverbrauch.

Übergewicht entsteht durch zu viele Kalorien – nicht durch Fett allein

Ein Hund oder eine Katze nimmt zu, wenn über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Diese Energie stammt sowohl aus Fetten als auch aus Kohlenhydraten und Eiweiß.

Eine fettarme oder sogar fettfreie Ernährung ist deshalb keine sinnvolle Lösung. Im Gegenteil: Fett gehört zu den wichtigsten Bestandteilen einer ausgewogenen Ernährung von Hund und Katze.

Gerade Hunde und Katzen können Fett besonders gut als Energiequelle nutzen. Als Fleischfresser sind sie darauf spezialisiert, Fette effizient zu verwerten. Kohlenhydrate spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle und sind – insbesondere bei Katzen – nur begrenzt für die Energieversorgung geeignet.

Fett erfüllt viele lebenswichtige Aufgaben

Fett liefert nicht nur Energie für Bewegung, sondern versorgt den Körper auch mit der notwendigen Energie für alle lebenswichtigen Funktionen. Herzschlag, Atmung, Stoffwechsel, Verdauung und das Immunsystem sind rund um die Uhr auf eine ausreichende Energieversorgung angewiesen.

Darüber hinaus übernehmen essentielle Fettsäuren zahlreiche weitere Aufgaben:

  • Unterstützung von Haut und Fell
  • Förderung der Gehirn- und Nerventätigkeit
  • Beteiligung an Wachstum und Wundheilung
  • Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K
  • Unterstützung entzündungshemmender Stoffwechselprozesse

Deshalb sollte Fett niemals vollständig aus dem Futter gestrichen werden.

Essenzielle Fettsäuren dürfen nicht fehlen

Besonders bedeutsam sind die mehrfach ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Zu ihnen gehören essenzielle Fettsäuren, die Hunde und Katzen nicht oder nur in unzureichender Menge selbst synthetisieren können und deshalb über die Nahrung aufnehmen müssen.

Sie sind unter anderem Bestandteil der Zellmembranen und Ausgangsstoff zahlreicher biologisch aktiver Botenstoffe, die Entzündungsprozesse, Immunreaktionen und viele weitere Stoffwechselvorgänge beeinflussen.

Ein Mangel kann sich unter anderem bemerkbar machen durch:

  • stumpfes oder trockenes Fell
  • vermehrten Fellwechsel
  • schuppige Haut
  • schlechte Wundheilung
  • erhöhte Anfälligkeit für Haut- und Ohrenprobleme

Für viele Hunde und Katzen ist die Ergänzung hochwertiger Öle sinnvoll.

Hunde benötigen

Linolsäure (Ω-6) aus z.B. Geflügel- und gekochten Schweinfleisch, Distel- oder Hanföl

α-Linolensäure (pflanzliches Ω-3) aus Leinöl, Hanföl

EPA und DHA (tierisches Ω-3) aus Fettfischen, Lachsöl oder Algenöl

Katzen benötigen

Linolsäure und Arachidonsäure (tierisches Ω-6) und EPA / DHA.

Die Umwandlung von pflanzlicher α-Linolensäure zu EPA und DHA ist äußerst begrenzt, weshalb marine Omega-3-Fettsäuren (tierisches Ω-3) eine besondere Bedeutung haben.

Wichtig ist eine sachgerechte Lagerung: Hochwertige Öle sollten kühl, lichtgeschützt und gut verschlossen aufbewahrt werden, damit die empfindlichen Fettsäuren nicht verderben.

Ist Olivenöl eine gute Wahl?

Olivenöl gilt beim Menschen als besonders gesund und wird deshalb häufig auch Hunden angeboten. Für die Versorgung mit essentiellen Fettsäuren ist es allerdings nicht die erste Wahl.

Es enthält überwiegend einfach ungesättigte Fettsäuren, jedoch keine oder kaum Omega-3-Fettsäuren. Für Hunde und Katzen sind daher beispielsweise Lachsöl oder Algenöl die sinnvolleren Ergänzungen.

Auch Ölkapseln liefern häufig nur sehr kleine Mengen. Für größere Hunde oder bei regelmäßiger Fütterung ist flüssiges Öl oft praktischer und wirtschaftlicher.

Eigelb: Ein kleines Kraftpaket

Eigelb liefert hochwertige Fettsäuren sowie zahlreiche Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Besonders Zink und Biotin unterstützen Haut, Fell und Krallen.

Das Eiweiß sollte dagegen nicht roh verfüttert werden. Es enthält Avidin, das Biotin binden kann. Wird das Eiweiß kurz erhitzt, verliert Avidin diese Wirkung und kann problemlos mit verfüttert werden.

So nimmt dein Tier gesund ab

Eine erfolgreiche Gewichtsreduktion bedeutet nicht, dass dein Hund oder deine Katze hungern muss. Auch eine drastische Futterkürzung nach dem Motto „Friss die Hälfte“ ist keine gute Lösung. Sie kann zu Nährstoffmängeln führen und sorgt häufig dafür, dass der Stoffwechsel auf Sparflamme schaltet.

Viel sinnvoller ist es,

  • Trockenfutter, als sehr konzentriertes Futter, durch Nassfutter zu ersetzen. Die Futtermenge erhöht sich, der Hund darf mehr fressen und ist zufriedener
  • getrocknete und damit sehr energiereiche Snacks zu streichen. Kauartikel kann eine große Karotte werden
  • die Gesamtration individuell anzupassen
  • kalorienarme Belohnungen wie kleine Käsescheiben-Stücke einzusetzen
  • auf ausreichend Bewegung zu achten und
  • den Body Condition Score und das Gewicht regelmäßig zu kontrollieren

Bei starkem Übergewicht empfiehlt sich eine individuelle Rationsberechnung durch eine qualifizierte TierernährungsberaterIn.

So wird sichergestellt, dass dein Tier trotz Gewichtsabnahme weiterhin optimal mit allen Nährstoffen versorgt wird.

Praxistipp

Nicht das Fett ist das Problem

Wenn dein Hund oder deine Katze abnehmen soll, wirf zunächst einen Blick auf die Kalorienfallen im Alltag.

Leckerlis und Kauartikel liefern oft mehr Energie als gedacht: 100 g Kauartikel haben die Energie von 100 g Trockenfutter.

Knapp die Hälfte des Trockenfutters besteht aus Kohlenhydraten, die über Zucker abgebaut und bei Nichtverbrauch in körpereigenes Speicherfett umgewandelt werden.

Tausche kalorienreiche, trockene Belohnungen gegen kleine Gemüsestücke wie Gurke (sofern dein Tier sie gut verträgt) oder ziehe die Leckerli-Menge einfach von der täglichen Futterration ab.

So lässt sich Gewicht reduzieren, ohne dass dein Tier hungern muss.

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