Protein für Hund und Katze: Warum Eiweiß so wichtig ist

Acht Welpen am Futternapf - Protein, der ganz besondere Nährstoff

Protein gehört zu den wichtigsten Nährstoffen in der Ernährung von Hunden und Katzen. Trotzdem sorgt kaum ein anderer Bestandteil von Tierfutter für so viele Missverständnisse. Braucht ein Hund wirklich möglichst viel Fleisch? Ist pflanzliches Eiweiß grundsätzlich schlecht? Und warum haben Katzen einen deutlich höheren Proteinbedarf als Hunde?

Als Tierernährungsberaterin und Tierheilpraktikerin werde ich mit diesen Fragen regelmäßig konfrontiert. Deshalb schauen wir uns an, welche Aufgaben Protein im Körper übernimmt und worauf du bei der Fütterung wirklich achten solltest.

Was ist Protein eigentlich?

Protein ist der Fachbegriff für Eiweiß. Es besteht aus Aminosäuren, den Bausteinen des Lebens. Der Körper benötigt sie täglich, denn sie werden für den Aufbau und die Erneuerung von Zellen gebraucht – unter anderem für Muskeln, Haut, Schleimhäute, Organe, Blut und das Immunsystem.

Im Gegensatz zu Fett oder Kohlenhydraten kann Protein nicht einfach durch einen anderen Nährstoff ersetzt werden. Eine ausreichende Versorgung ist deshalb in jeder Lebensphase wichtig.

Welche Tiere haben einen besonders hohen Proteinbedarf?

Nicht jedes Tier benötigt die gleiche Menge an Eiweiß.

Einen erhöhten Bedarf haben insbesondere:

  • Katzen
  • Welpen und Kitten im Wachstum
  • trächtige und säugende Hündinnen und Katzen
  • Tiere im Muskelaufbau oder während der Regeneration nach Erkrankungen

 

Katzen sind als reine Fleischfresser (obligate Karnivoren) auf eine proteinreiche Ernährung angewiesen. Ihr Stoffwechsel ist darauf spezialisiert, kontinuierlich größere Mengen an Eiweiß zu verwerten.

Hunde sind deutlich flexibler. Auch sie benötigen hochwertiges Protein, allerdings in einer bedarfsgerechten Menge und nicht nach dem Motto „je mehr, desto besser“.

Warum ist die Qualität wichtiger als die Menge?

Entscheidend ist nicht nur, wie viel Protein ein Futter enthält, sondern vor allem, aus welchen Quellen es stammt.

Hochwertiges Eiweiß liefert alle wichtigen Aminosäuren in einer gut verwertbaren Form. Besonders geeignet sind beispielsweise:

  • Muskelfleisch
  • Herz
  • Leber und andere Innereien
  • Eier
  • Milchprodukte (sofern sie gut vertragen werden)

 

Pflanzliche Eiweißquellen wie Mais, Soja, Linsen, Lupine, Erbsen etc. enthalten ebenfalls Protein. Sie besitzen jedoch für Hunde und insbesondere für Katzen eine geringere biologische Wertigkeit und sind nicht in gleicher Menge verfügbar wie tierisches Eiweiß.

Praxistipp: Schaut euch vegane Futtermittel an. Dort müssen für Alleinfuttermittel, als ernährungsphysiologische Zusatzstoffe auch Aminosäuren zugesetzt werden.

Deshalb sollte bei Fleischfressern der überwiegende Anteil des Proteins aus hochwertigen tierischen Quellen stammen.

Schaut beim Kauf eines Futters nicht nur auf den Rohproteinwert. Mindestens genauso wichtig ist ein Blick auf die Zutatenliste (Zusammensetzung). Hochwertige tierische Proteinquellen sollten möglichst weit oben stehen.

Kann Protein auch Energie liefern?

Ja. Eigentlich nutzt der Körper bevorzugt Fett und – bei Hunden – auch Kohlenhydrate als Energiequelle.

Steht jedoch nicht genügend Energie zur Verfügung, kann der Organismus Protein zur Energiegewinnung heranziehen. Das ist biologisch sinnvoll, sollte aber kein Dauerzustand sein.

Bei längeren Hungerphasen oder sehr kalorienarmen Diäten beginnt der Körper sogar, körpereigene Muskulatur abzubauen. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte, die über Leber und Nieren verarbeitet und ausgeschieden werden müssen. Für gesunde Tiere ist dieser Prozess kurzfristig kein Problem, dauerhaft sollte er jedoch vermieden werden.

Mehr Protein bei Untergewicht oder Muskelaufbau?

Ein mageres Tier benötigt nicht automatisch mehr Eiweiß.

Liegt keine Erkrankung vor und soll lediglich das Körpergewicht steigen, ist es meist sinnvoller, zunächst die Energiezufuhr über Fett und – beim Hund – geeignete Kohlenhydrate zu erhöhen.

Anders sieht es beim gezielten Muskelaufbau aus. Nach einer Krankheit, einer Operation oder längeren Inaktivität kann der Bedarf an hochwertigem Protein vorübergehend erhöht sein. Geeignete Eiweißquellen sind beispielsweise Muskelfleisch, Innereien, Eier oder – bei Hunden – gut verträgliche Milchprodukte.

Sobald sich Muskulatur und Körperzustand wieder normalisiert haben, sollte die Fütterung erneut an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden.

Untergewicht, Muskelabbau oder ein erhöhter Proteinbedarf können auch gesundheitliche oder parasitäre Ursachen haben. Lass dein Tier im Zweifel tierärztlich untersuchen und die Fütterung individuell berechnen.

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Viel Fleisch ist nicht automatisch besser

Gerade bei der Rohfütterung (BARF) wird häufig angenommen, dass möglichst große Fleischmengen automatisch artgerecht seien. Tatsächlich kommt es jedoch auf die richtige Balance aller Nährstoffe an.

Ein dauerhaftes Überangebot an Protein bringt gesunden Hunden in der Regel keinen Vorteil. Entscheidend ist vielmehr eine ausgewogene Ration mit hochwertigem Eiweiß sowie einer bedarfsgerechten Versorgung mit Fett, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen.

Katzen stellen hier eine Ausnahme dar. Aufgrund ihres Stoffwechsels benötigen sie deutlich mehr Protein als Hunde und profitieren von einer fleischbetonten Ernährung, sofern diese vollständig mit allen notwendigen Nährstoffen ergänzt wird.

Das Verhältnis von Protein und Energie (PEQ)

Wieviel tierisches Protein ein Hund bekommen muss, damit er bedarfsdeckend ernährt wird, ergibt sich aus seinem Gewicht und seiner individuellen Lebenssituation.

Genauso wichtig wie die Bedarfsdeckung ist das Verhältnis von Protein zur Energie in der Ration (Protein-Energie-Quotient).

Dieses Verhältnis hat häufig Auswirkungen auf das Verhalten von Hunden. Besonders hyperaktive, unkonzentrierte Hunde, die schwierig zu trainieren sind, profitieren von einem Protein-Energie-Verhältnis von 14-18 g auf 1 MJ Energie.

Auch wenn Kohlenhydrate bei Hunden oft nicht gern gesehen werden, machen diese die Hunde oft umgänglicher und konzentrierter. Leicht verfügbarer Zucker fürs Gehirn scheint dabei eine Rolle zu spielen.

Eine gute Tierernährung orientiert sich deshalb nicht an pauschalen Empfehlungen oder Prozentzahlen, sondern am individuellen Bedürfnis des einzelnen Tieres.

Heidi Herrmann – G & H Tierernährung, Tierernährungsberaterin und Tierheilpraktikerin

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