Pferdefütterung im Frühling: So schützt du dein Pferd vor Hufrehe und Stoffwechselproblemen

Pferdefütterung im Frühling

Der Frühling bringt frisches Grün, längere Tage und den ersten Weidegang – für viele Pferde die schönste Zeit des Jahres. Doch gerade jetzt lauern auch gesundheitliche Risiken. Das junge Gras enthält besonders viel Zucker und kann empfindliche oder vorgeschädigte Pferde schnell überfordern.

Mit einer angepassten Fütterung und einem kontrollierten Weidemanagement kannst du Erkrankungen wie Hufrehe oder das Equine Metabolische Syndrom (EMS) wirksam vorbeugen. Erfahre, worauf du im Frühjahr besonders achten solltest.

Warum ist das Frühlingsgras für Pferde problematisch?

Nach den Wintermonaten freuen sich Pferde verständlicherweise auf frisches Gras. Doch das junge Weidegras unterscheidet sich deutlich von Heu.

Es enthält:

  • hohe Mengen leicht verfügbarer Zucker
  • viel Eiweiß
  • schnell verfügbare Energie
  • je nach Wetter erhöhte Fruktangehalte
  • wenig Trockenmasse und Rohfaser


Vor allem Pferde, die sich wenig bewegen oder bereits übergewichtig sind, können diese Nährstoffmengen häufig nicht ausreichend verwerten.

Zucker und Fruktan – wo liegt der Unterschied?

Pflanzen produzieren durch Sonnenlicht Glukose. Diese dient dem Wachstum des Grases. Kann die Pflanze aufgrund von Kälte, Trockenheit oder Frost nicht weiterwachsen, speichert sie die überschüssige Energie als Fruktan. Deshalb können die Fruktangehalte besonders hoch sein:
  • an sonnigen, kalten Frühlingstagen
  • nach Frostnächten
  • während längerer Trockenperioden
  • bei gestressten Pflanzen (ständig kurz abgefressen)

Je höher der Fruktangehalt, desto größer kann das Risiko für stoffwechselempfindliche Pferde werden. Fruktan kann nicht wie Zucker durch Enzyme im Dünndarm verstoffwechselt werden, sondern gelangt in den Dickdarm, verändert dort den pH-Wert und damit das Mikrobiom.

Welche Pferde sind besonders gefährdet?

Nicht jedes Pferd reagiert gleich empfindlich auf frisches Weidegras. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei:
  • übergewichtigen Pferden
  • leichtfuttrigen Rassen (z. B. Ponys, Haflinger, Fjordpferde)
  • Pferden mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS)
  • insulinresistenten Pferden
  • Pferden mit einer Hufrehe-Vorgeschichte

Bei diesen Tieren sollte der Weidegang besonders sorgfältig geplant werden.

Praxistipp

Beurteile regelmäßig den Body Condition Score (BCS) deines Pferdes. Bereits leichtes Übergewicht erhöht das Risiko für Stoffwechselerkrankungen deutlich.

Hochzuckergräser – warum sie problematisch sein können

Viele heutige Weidemischungen wurden ursprünglich für die Milchviehhaltung gezüchtet. Sie liefern hohe Erträge und enthalten oft mehr leicht verfügbare Energie als traditionelle Pferdeweiden.

Zusätzlich können einige Gräser in Symbiose mit sogenannten Endophyten leben. Diese Pilze produzieren Stoffe, die die Pflanze schützen. Welche Auswirkungen dies auf Pferde hat, hängt unter anderem von der jeweiligen Grasart und dem Standort ab.

Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Zusammensetzung deiner Weideflächen.

Zu viel Zucker auf der Frühlingswiese

So gelingt der sichere Start in die Weidesaison

Ein plötzlicher ganztägiger Weidegang ist selten sinnvoll. Gewöhne dein Pferd langsam an das frische Gras. Bewährt hat sich:
  • zunächst nur 10 bis 15 Minuten Weidezeit
  • die Dauer schrittweise über mehrere Wochen erhöhen
  • ausreichend Heu vor dem Weidegang füttern
  • tägliche Bewegung sicherstellen
  • Gewicht und Körperkondition regelmäßig kontrollieren

So kann sich der Stoffwechsel langsam anpassen.

Bewegung schützt den Stoffwechsel

Die aufgenommene Energie wird vor allem dann zum Problem, wenn sie nicht verbraucht wird. Regelmäßige Bewegung verbessert:
  • den Zuckerstoffwechsel
  • die Insulinsensitivität
  • das Körpergewicht
  • die allgemeine Fitness

Je aktiver dein Pferd ist, desto besser kann es die zusätzliche Energie aus dem Frühlingsgras verwerten.

Wann kann eine Futterberatung sinnvoll sein?​

Nicht immer lässt sich allein anhand des Auges beurteilen, ob ein Pferd optimal versorgt ist.

Eine professionelle Futterberatung kann helfen,

  • den Energiebedarf realistisch einzuschätzen,
  • den Body Condition Score korrekt zu bewerten,
  • die Ration zu berechnen,
  • Mineralstoffversorgung und Heuqualität zu überprüfen,
  • Risiken für EMS oder Hufrehe frühzeitig zu erkennen.

Gerade bei leichtfuttrigen Pferden oder bereits bestehenden Stoffwechselerkrankungen lohnt sich eine individuelle Beratung.

In diesem kleinen Webinar-Video zeige ich dir, was ein Pferdeernährungsberater bei dir vor Ort machen wird: https://tierernaehrungsberater.edudip.com/w/358572

Praxistipp

Schätzen ist nicht Wissen. Wiege nicht nur deine Futtermittel ab, sondern ermittle regelmäßig das Gewicht deines Pferdes. Mit einem Maßband oder einer Pferdewaage kannst du Veränderungen früh erkennen und die Fütterung rechtzeitig anpassen.

Tierernährungsberater

Fazit

Der Frühling stellt den Stoffwechsel vieler Pferde vor besondere Herausforderungen.

Das Mikrobiom des Darms hat sich über den Winter, an das trockene und rohfaserreiche Heu gewöhnt. Nun muss sich der Verdauungstrakt langsam an das junge Gras (nass und rohfaserarm) mit viel Zucker und Energie gewöhnen.

Das überlastet oft übergewichtige oder vorbelastete Pferde.

Durch langsames Anweiden, ausreichend Bewegung und einer bedarfsgerechten Fütterung lässt sich das Risiko für Hufrehe und andere Stoffwechselerkrankungen deutlich reduzieren. Wer unsicher ist, profitiert von einer individuellen Futterberatung durch einen qualifizierten Pferdeernährungsberater.

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Pferdefütterung im Frühling: So schützt du dein Pferd vor Hufrehe und Stoffwechselproblemen