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Fellwechsel bei Hund und Katze

Tierhaare in einer Fellbürste während des Fellwechsels bei Hund oder Katze

Wenn im Frühjahr oder Herbst plötzlich überall Haare liegen, beginnt bei vielen Tierhaltern die Suche nach dem richtigen Öl, einem Biotinpräparat oder einer besonderen Fellwechselkur. Doch nicht jedes starke Haaren ist ein Zeichen für einen Nährstoffmangel, und nicht jedes glänzende Fell beweist eine optimale Versorgung. Fellwechsel, Haarstruktur und Fellglanz entstehen aus einem Zusammenspiel von Haarzyklus, Genetik, Licht, Haltung, Pflege, Gesundheit und Ernährung.

Eine bedarfsdeckende Ration liefert die Baustoffe für Haut und Haar. Zusätzliche Nährstoffe sind aber nur dann sinnvoll, wenn die bisherige Fütterung tatsächlich eine Lücke aufweist oder ein besonderer Bedarf besteht. Dieser Beitrag erklärt, was während des Fellwechsels geschieht, welche Nährstoffe beteiligt sind und wann auffälliger Haarverlust abgeklärt werden sollte.

Warum Hund und Katze ihr Fell wechseln

Haare wachsen nicht kontinuierlich mit derselben Geschwindigkeit. Jeder Haarfollikel durchläuft einen Zyklus aus Wachstumsphase, Übergangsphase und Ruhephase. Am Ende wird das alte Haar abgestoßen und durch ein neues ersetzt. Wie lange die einzelnen Phasen dauern, unterscheidet sich zwischen Tierarten, Rassen, Felltypen und sogar zwischen verschiedenen Körperregionen.

Bei vielen Hunden und Katzen verstärkt sich der Haarwechsel im Frühjahr und Herbst. Die Veränderung der Tageslänge ist dabei ein wichtiger saisonaler Reiz. Auch Temperatur, Haltung und individuelle Faktoren beeinflussen das sichtbare Ergebnis. Im Frühjahr wird häufig ein Teil des dichten Winterhaars abgestoßen. Im Herbst wächst bei vielen Tieren ein dichteres Haarkleid mit mehr Unterwolle nach.

Die bekannten Monatsangaben März und April beziehungsweise September und Oktober sind deshalb nur grobe Orientierungen. Wetter, Region, Rasse, Kastrationsstatus, Alter und Lebensweise können den Zeitpunkt verschieben.

Warum Wohnungstiere häufig länger haaren

Hunde und Katzen, die überwiegend in beheizten Räumen leben, erleben geringere Temperaturschwankungen. Künstliches Licht verlängert außerdem den wahrgenommenen Tag. Dadurch können saisonale Signale weniger klar ausfallen. Manche Wohnungstiere haaren deshalb nicht nur in zwei deutlich abgegrenzten Phasen, sondern über längere Zeit oder beinahe ganzjährig.

Das allein ist noch keine Erkrankung. Verändert sich das Fell jedoch plötzlich, entstehen kahle Stellen oder kommen Juckreiz, Rötung, Schuppen, Geruch oder Hautveränderungen hinzu, sollte nicht vorschnell von einem normalen Fellwechsel ausgegangen werden.

Mehr Fellmasse benötigt mehr Baustoffe

Haare bestehen überwiegend aus Keratin, einem Strukturprotein. Für seine Bildung benötigt der Organismus Aminosäuren. Besonders schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin und Cystin spielen für die Keratinstruktur eine wichtige Rolle. Rein physiologisch ist deshalb nachvollziehbar: Ein Tier, das mehr neue Haarmasse bildet, muss dafür auch mehr Baustoffe bereitstellen.

Die Felllänge allein erlaubt jedoch keine zuverlässige Bedarfsberechnung. Ein kurzhaariger Hund mit dichter Unterwolle kann während des saisonalen Fellwechsels sehr viel Haarmasse ersetzen. Ein langhaariger Hund mit geringer Unterwolle und langem Haarzyklus kann dagegen vergleichsweise wenig saisonal haaren. Entscheidend sind Körpergröße, Haardichte, Unterwolle, Haardicke, Wachstumsgeschwindigkeit und die tatsächlich neu gebildete Haarmenge.

Für langhaarige Hunde oder Katzen gibt es daher keinen allgemein anerkannten pauschalen Protein- oder Nährstoffzuschlag. Eine ausreichend hohe Versorgung mit hochwertigem Protein und allen essenziellen Aminosäuren ist wichtig; wahlloses Zufüttern einzelner Proteinquellen oder Aminosäuren ersetzt jedoch keine Beurteilung der Gesamtration..

Welche Nährstoffe Haut und Haar benötigen

Protein und Aminosäuren

Protein liefert die Aminosäuren für Keratin, Enzyme und zahlreiche weitere Körperfunktionen. Dabei zählt nicht nur der Rohproteingehalt auf dem Etikett. Verdaulichkeit, Aminosäurenmuster, Energieversorgung und die Gesamtmenge der Ration bestimmen mit, wie gut Protein genutzt werden kann. Eine energetisch zu knappe Ration kann dazu führen, dass Aminosäuren vermehrt zur Energiegewinnung statt für Aufbauprozesse verwendet werden.

Essenzielle Fettsäuren

Fettsäuren sind Bestandteile von Zellmembranen und spielen für die Hautbarriere eine wichtige Rolle. Linolsäure aus der Omega-6-Familie ist für Hund und Katze essenziell. Katzen benötigen darüber hinaus Arachidonsäure aus der Nahrung. Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA können entzündliche Prozesse beeinflussen, sind aber nicht gleichbedeutend mit einem allgemeinen Fellglanzmittel.

Ein zusätzlicher Schuss Öl ist nicht automatisch hilfreich. Öl liefert viel Energie, verändert das Fettsäuremuster der Ration und kann bei falscher Lagerung oxidieren. Ob und in welcher Menge ergänzt werden sollte, hängt von der bereits vorhandenen Ration ab.

Zink, Kupfer und Vitamine

Zink ist an zahlreichen Enzymsystemen, an Zellteilung und Hautstoffwechsel beteiligt. Kupfer wird unter anderem für Bindegewebsstrukturen und die Pigmentbildung benötigt. Biotin und weitere B-Vitamine sowie die Vitamine A und E erfüllen ebenfalls Aufgaben in Haut, Zellstoffwechsel und antioxidativem Schutz.

Aus dieser Aufzählung folgt jedoch nicht, dass jedes Tier im Fellwechsel zusätzliche Präparate benötigt. Ein bedarfsdeckendes Alleinfuttermittel oder eine fachgerecht berechnete selbst zubereitete Ration sollte die erforderlichen Mengen bereits liefern. Sowohl Mangel als auch Überversorgung können problematisch sein. Besonders Mineralstoffe sollten nicht nach dem Prinzip viel hilft viel ergänzt werden.

Hund und Katze neben einem vereinfachten Haar aus Keratin, umgeben von Protein und Aminosäuren, essenziellen Fettsäuren, Zink, Kupfer und Vitaminen

Warum schwarzes Fell häufig stärker glänzt

Fellglanz entsteht nicht allein im Stoffwechsel. Er ist auch ein optischer Eindruck. Farbe, Haardicke, Krümmung, Ausrichtung der Haare, Zustand der äußeren Schuppenschicht und Lichteinfall bestimmen gemeinsam, wie wir ein Fell wahrnehmen.

Dunkle Haare absorbieren einen größeren Teil des einfallenden Lichts. Gerichtete Reflexe können sich dadurch deutlich von der dunklen Grundfarbe abheben. Helle und weiße Haare streuen insgesamt mehr Licht; einzelne Glanzreflexe wirken deshalb oft weniger kontrastreich. Ein schwarzes Tier kann unter derselben Beleuchtung deutlich spiegelnder erscheinen als ein weißes Tier, obwohl beide Haare eine vergleichbar intakte Oberfläche besitzen.

Auch die Haaroberfläche verändert den Eindruck. Liegen die Schuppen der äußeren Haarschicht gleichmäßig an, wird Licht gerichteter reflektiert. Eine unregelmäßige oder aufgeraute Oberfläche erzeugt mehr diffuse Streuung und wirkt matter. Untersuchungen an menschlichen Haarfasern bestätigen diese optischen Zusammenhänge. Die physikalischen Grundprinzipien gelten auch für tierische Haarfasern.

Glänzendes Fell kann zu einem gepflegten, gesunden Gesamteindruck gehören. Es beweist aber keine bedarfsdeckende Ernährung. Umgekehrt ist helles oder weißes Fell nicht automatisch schlechter versorgt, nur weil es weniger spiegelnd erscheint.

Schwarzes und weißes Fell unter derselben Lichtquelle im Vergleich: Fellfarbe, Haaroberfläche und Lichteinfall beeinflussen den sichtbaren Glanz

Eine Fellwechselkur ist nicht automatisch nötig

Viele Empfehlungen zum Fellwechsel nennen pauschal Fischöl, pflanzliche Öle, Bierhefe, Biotin, Zink oder besondere Kräutermischungen. Sinnvoll ist eine Ergänzung erst, wenn sie zur vorhandenen Ration und zum Tier passt. Wer bereits ein bedarfsdeckendes Alleinfutter verwendet, kann durch zusätzliche Einzelstoffe unerwünschte Verschiebungen erzeugen. Bei selbst zubereiteten Rationen sollte nicht nur ein vermeintlicher Fellnährstoff ergänzt, sondern die gesamte Versorgung berechnet werden.

Stumpfes Fell kann ernährungsbedingt sein, ist aber kein beweisendes Mangelsymptom. Parasiten, Allergien, bakterielle oder pilzbedingte Hauterkrankungen, hormonelle Störungen, chronische Erkrankungen, Schmerzen, Stress oder übermäßiges Lecken können ähnlich aussehen. Die Ursache entscheidet darüber, ob eine Futteranpassung überhaupt der richtige Ansatz ist.

Was im Fellwechsel praktisch hilft

Regelmäßiges Bürsten entfernt lose Haare und Unterwolle. Welche Bürste und wie häufig sie sinnvoll ist, hängt vom Felltyp ab. Ein kurzhaariger Hund benötigt eine andere Pflege als ein Hund mit dichter Unterwolle oder ein Tier mit langem, feinem Haar. Zu intensives Bürsten kann die Haut reizen oder gesundes Haar ausreißen.

Bei Katzen reduziert das Entfernen loser Haare zusätzlich die Menge, die beim Putzen verschluckt wird. Gerade langhaarige Katzen oder Tiere mit ausgeprägtem Fellwechsel können davon profitieren. Gleichzeitig sollten Futteraufnahme, Kotabsatz und Allgemeinbefinden beobachtet werden, denn wiederholtes Erbrechen oder Probleme durch Haarballen gehören nicht einfach ignoriert.

Ernährungsseitig ist der wichtigste Schritt keine Kur, sondern eine Bestandsaufnahme: Ist die Ration bedarfsdeckend? Liefert sie genügend Energie und gut nutzbares Protein? Sind die essenziellen Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine passend enthalten? Erst danach lässt sich entscheiden, ob eine gezielte Ergänzung erforderlich ist.

Eine weiß-orange Katze wird während des Fellwechsels mit einer Fellbürste gebürstet

Wann Haarverlust abgeklärt werden sollte

Normaler Fellwechsel führt zu vielen losen Haaren, aber üblicherweise nicht zu entzündeter Haut oder klar begrenzten kahlen Stellen. Eine tierärztliche Abklärung ist besonders sinnvoll bei:

  • kahlen oder deutlich ausgedünnten Bereichen
  • starkem Juckreiz, häufigem Lecken oder Kratzen
  • Rötungen, Krusten, nässenden Stellen oder auffälligem Hautgeruch
  • plötzlicher Veränderung von Fellstruktur oder Fellfarbe
  • gleichzeitiger Gewichtsveränderung, Mattigkeit oder gesteigertem Durst
  • anhaltendem Haarverlust außerhalb des gewohnten Musters
  • ausbleibendem Nachwachsen nach Schur oder Fellwechsel

Dann sollten mögliche Ursachen wie Parasiten, Infektionen, Allergien, endokrine Erkrankungen oder andere Grunderkrankungen untersucht werden. Eine Nahrungsergänzung auf Verdacht kann die Diagnostik verzögern und löst die Ursache nicht.

Mein Fazit

Der Fellwechsel ist eine normale, aber individuell sehr unterschiedlich ausgeprägte Leistung des Organismus. Je mehr neue Haarmasse gebildet wird, desto mehr Baustoffe müssen zur Verfügung stehen. Daraus lässt sich jedoch weder ein pauschaler Zuschlag für langhaarige Tiere noch eine allgemeine Fellwechselkur ableiten.

Eine bedarfsdeckende Gesamtfütterung liefert Protein, essenzielle Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine in passender Menge. Fellfarbe und Lichtreflexion beeinflussen zusätzlich, wie glänzend ein Haarkleid erscheint. Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelner optischer Eindruck, sondern das Gesamtbild aus Haut, Fell, Verhalten, Gesundheit und Fütterung.

Autorin: Heidi Herrmann

Quellen und weiterführende Informationen

  • FEDIAF Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs, Ausgabe September 2025
  • Scarpim und Pacheco: Challenges and Methodologies to Assess Protein Requirement and Quality Across Different Life Stages in Dogs, 2026
  • Hamdoh et al.: Polarization properties and Umov effect of human hair, Scientific Reports 2024
  • Watanabe et al.: Formation of nanostructure on hair surface and characteristic optical properties, 2007
  • Google Search Central: Creating helpful, reliable, people-first content

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