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Pansen für Hunde: Was grüner Pansen wirklich leistet

Pansenröllchen als Kauartikel für Hunde

Grüner Pansen gilt beim BARF häufig als besonders natürlicher und wertvoller Bestandteil der Ration. Dabei werden ihm nicht selten verdauungsfördernde Enzyme, nützliche Mikroorganismen und ein hoher Gehalt an wertvollen Pflanzenstoffen zugeschrieben. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Pansen kann eine sinnvolle und schmackhafte Futterkomponente sein – doch er ist weder ein Wundermittel noch macht er eine Ration automatisch bedarfsdeckend.

Für eine fachliche Einordnung lohnt sich ein genauer Blick: Was ist Pansen überhaupt? Was unterscheidet grünen von weißem Pansen? Welche Bedeutung haben die enthaltenen Pflanzenreste? Und ist der Pansen eines Rehs tatsächlich mit dem eines intensiv gefütterten Rindes vergleichbar?

Was ist Pansen eigentlich?

Der Pansen ist der größte Abschnitt des mehrteiligen Magens von Wiederkäuern. Zu den Wiederkäuern gehören unter anderem Rinder, Schafe, Ziegen, Rehe und Hirsche. Sie können faserreiche pflanzliche Nahrung nutzen, weil in ihrem Vormagensystem unzählige Mikroorganismen leben. Diese Bakterien, Einzeller und Pilze fermentieren das aufgenommene Futter und erschließen daraus Nährstoffe, die das Tier anschließend verwerten kann.

Nach dem ersten Abschlucken werden gröbere Futterbestandteile wieder hochgewürgt, erneut gekaut und nochmals geschluckt. Daher stammt die Bezeichnung Wiederkäuer.

Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen

Umgangssprachlich ist häufig von den „vier Mägen“ der Kuh die Rede. Anatomisch handelt es sich genauer um einen mehrteiligen Magen mit vier Abschnitten:

Pansen: Der große Gärraum. Er nimmt beim ausgewachsenen Rind einen erheblichen Teil der linken Bauchhöhle ein. Hier wird das pflanzliche Futter mikrobiell fermentiert.

Netzmagen: Er arbeitet eng mit dem Pansen zusammen, sortiert Futterpartikel und ist am Hochwürgen des Futters zum Wiederkäuen beteiligt. Seine Schleimhaut besitzt eine typische Wabenstruktur.

Blättermagen: Seine zahlreichen blattartigen Schleimhautfalten vergrößern die Oberfläche. Hier werden vor allem Wasser und wasserlösliche Stoffe aufgenommen.

Labmagen: Er ist der eigentliche Drüsenmagen. Hier wird der Nahrungsbrei mit Säure und Verdauungsenzymen weiter aufgeschlossen – ähnlich wie im Magen eines Hundes.

Geöffneter Blättermagen eines Wiederkäuers mit sichtbaren Magenblättern und grünem Futterinhalt.
Originalaufnahme: geöffneter Blättermagen mit deutlich sichtbaren blattartigen Falten
Geöffneter Netzmagen eines Wiederkäuers mit deutlich erkennbarer wabenförmiger Schleimhautstruktur
Geöffneter Netzmagen eines Wiederkäuers mit deutlich erkennbarer wabenförmiger Schleimhautstruktur

Grüner und weißer Pansen: Was ist der Unterschied?

Grüner Pansen ist nicht deshalb grün, weil die Pansenwand diese Farbe besitzt. Die Bezeichnung bezieht sich auf den weitgehend naturbelassenen Zustand. Der Pansen wurde entleert, aber nicht gründlich ausgewaschen oder gebrüht. An seiner Innenfläche und in den Falten können deshalb noch Reste des fermentierten Pflanzeninhaltes haften. Deren Farbe hängt von der Fütterung des Wiederkäuers ab und kann von kräftigem Grün bis zu Gelb- und Brauntönen reichen.

Weißer Pansen wurde dagegen für den menschlichen Verzehr intensiv gereinigt und meist gebrüht. Die pflanzlichen Bestandteile des Panseninhaltes sind dadurch weitgehend entfernt. Übrig bleibt vor allem protein- und bindegewebereiches Magengewebe. Weißer Pansen ist damit nicht grundsätzlich wertlos oder automatisch besonders fettreich – er unterscheidet sich aber deutlich von grünem, nur grob entleertem Pansen.

Welche Nährstoffe liefert grüner Pansen?

Pansen liefert Protein und enthält viel glatte Muskulatur sowie kollagenreiches Bindegewebe. Je nach Tierart, Fütterung, Zuschnitt und anhaftendem Fett kann seine Zusammensetzung erheblich schwanken. Enthalten sind unter anderem Kalium und verschiedene B-Vitamine. In Nährwertdatenbanken werden für Rinderpansen außerdem Vitamin B12 und Cholin ausgewiesen. Diese Angaben lassen sich jedoch nicht pauschal auf jeden Pansen übertragen, denn Herkunft und Verarbeitung beeinflussen die Werte.

Pansen ist kein nährstoffreiches Sekretionsorgan wie Leber oder Niere. In einer Rationsberechnung darf er deshalb nicht einfach mit diesen Innereien gleichgesetzt werden. Ebenso wenig ersetzt er automatisch eine Calciumquelle oder andere notwendige Ergänzungen.

Enthält grüner Pansen Rohfaser?

Die Pansenwand selbst ist tierisches Gewebe und enthält keine Rohfaser im pflanzenkundlichen Sinn. Pflanzliche Faserstoffe stammen aus dem anhaftenden Panseninhalt. Wie viel davon vorhanden ist, hängt davon ab, wie stark der Pansen entleert und gereinigt wurde. Deshalb lässt sich für grünen Pansen kein einheitlicher Rohfasergehalt angeben.

In Maßen können diese Pflanzenbestandteile die Ration ergänzen. Sie ersetzen aber nicht automatisch einen bewusst ausgewählten pflanzlichen Anteil und machen aus einer ansonsten unausgewogenen Fütterung keine bedarfsdeckende Ration.

Enzyme und Mikroorganismen: wertvoll für den Hund?

Grüner Pansen enthält Bestandteile der ursprünglichen Pansenflora. Daraus wird häufig abgeleitet, dass er den Darm des Hundes mit nützlichen Bakterien versorge oder wie ein Probiotikum wirke. Dafür fehlen jedoch belastbare Belege. Pansenmikroorganismen sind an das sauerstoffarme Milieu und die Bedingungen im Vormagen eines Wiederkäuers angepasst. Daraus folgt nicht automatisch, dass sie den Magen-Darm-Trakt des Hundes lebend passieren, sich dort ansiedeln oder eine gezielte probiotische Wirkung entfalten.

Ähnlich vorsichtig sollte die Aussage zu „Verdauungsenzymen“ bewertet werden. Grüner Pansen kann biologisch aktive Bestandteile enthalten, ihre Menge und Aktivität sind aber nicht standardisiert. Lagerung, Einfrieren, Auftauen und Verarbeitung können sie zusätzlich beeinflussen. Pansen darf deshalb gern als natürliche Futterkomponente eingesetzt werden – nur nicht als therapeutischer Ersatz für eine gezielte Behandlung oder ein geprüftes Probiotikum.

Pansen ist nicht gleich Pansen

Meine eigenen Aufnahmen zeigen besonders anschaulich, wie unterschiedlich Pansen aussehen kann. Der Pansen eines mit Maissilage gefütterten Rindes besitzt einen gelblich-braunen Inhalt und eine kräftige Wand. Beim Reh ist die Pansenwand nach meiner praktischen Beobachtung deutlich dünner; der Inhalt besteht aus grüner, vielfältiger natürlicher Äsung.

Geöffneter Rinderpansen mit gelblich-braunem Inhalt im Vergleich zu einem dünnwandigeren Rehpansen mit grünem Pflanzeninhalt
Rinderpansen und Rehpansen im Vergleich: Tierart, Alter und Fütterung beeinflussen Beschaffenheit und Inhalt.

Es ist nachvollziehbar, dass dünnwandiger Pansen von kleineren Wiederkäuern anders verträglich sein kann als die kräftige Pansenwand eines ausgewachsenen Rindes. Direkte vergleichende Untersuchungen zur Verdaulichkeit von Reh- und Rinderpansen beim Hund liegen meines Wissens allerdings nicht vor. Deshalb kennzeichne ich diese Einschätzung ausdrücklich als Praxiserfahrung und nicht als wissenschaftlich gesicherte Aussage.

Auch der Panseninhalt erlaubt keine pauschale Qualitätsbewertung. Er spiegelt zunächst wider, was das Tier vor der Schlachtung oder Erlegung aufgenommen hat. Grüner Pansen aus Weidehaltung kann einen anderen Pflanzeninhalt besitzen als Pansen eines Rindes, dessen Ration stark durch Maissilage geprägt war.

Wie viel Pansen gehört in eine BARF-Ration?

In klassischen BARF-Schemata werden Pansen und Blättermagen häufig zusammen als Vormägen eingeordnet. Ein verbreitetes Beispiel setzt sie mit etwa 20 Prozent des tierischen Anteils an. Bei einer täglichen Gesamtfuttermenge von 500 Gramm und einem tierischen Anteil von 400 Gramm entspräche das 80 Gramm Pansen oder Blättermagen. Bezogen auf die gesamte Tagesration wären das 16 Prozent.

Solche Prozentangaben können beim Aufbau eines Fütterungsschemas Orientierung geben. Sie sagen aber noch nicht, ob die Ration den tatsächlichen Energie- und Nährstoffbedarf des jeweiligen Hundes deckt. Ein junger aktiver Hund benötigt etwas anderes als ein Senior, ein übergewichtiger Hund oder ein Tier mit einer Erkrankung. Auch der Fettgehalt des verwendeten Pansens kann die Energieversorgung beeinflussen.

Meine Empfehlung: Pansen sollte in einer nachvollziehbar berechneten Gesamtration eingesetzt werden – in einer Menge, die zum Hund, zu den übrigen Futterkomponenten und zur gewünschten Energieversorgung passt.

Wann sollte Pansen nur in Maßen gefüttert werden?

Durch seinen Anteil an Bindegewebe und die schwankende Zusammensetzung wird Pansen nicht von jedem Hund gleich gut vertragen. Größere Mengen können bei empfindlichen Tieren zu weicherem Kot, Blähungen oder Verdauungsbeschwerden führen. Auch ein höherer Fettanteil kann bei entsprechend empfindlichen Hunden ungünstig sein.

  • Pansen langsam in die Fütterung einführen.
  • Bei empfindlicher Verdauung zunächst eine kleine Menge testen.
  • Fettgehalt und Gesamtenergie der Ration berücksichtigen.
  • Pansen nicht als Ersatz für Leber, Niere, Milz oder eine passende Calciumquelle betrachten.
  • Bei anhaltenden Beschwerden die Ursache fachlich beziehungsweise tierärztlich abklären lassen.

Mein Fazit

Grüner Pansen ist eine interessante, schmackhafte und vielfach gut verträgliche Futterkomponente. Er liefert Protein, Bindegewebe und – abhängig von der Reinigung – fermentierte Pflanzenreste. Seine Zusammensetzung ist jedoch weniger einheitlich, als viele BARF-Pläne vermuten lassen.

Besonders wichtig ist mir die Unterscheidung zwischen einer plausibel klingenden Vorstellung vom Beutetier und der tatsächlichen Versorgung des Hundes. Weder die enthaltenen Pflanzenreste noch vermeintlich probiotische Mikroorganismen garantieren eine bedarfsdeckende oder therapeutisch wirksame Fütterung. Entscheidend bleibt immer die gesamte Ration.

Warum auch eine natürlich zusammengestellte BARF-Ration Versorgungslücken oder Überschüsse aufweisen kann, erfährst du im Beitrag „BARF beim Hund: eine etwas andere Sicht auf die Rohfütterung“.

Mit dem G&H Rationsrechner lassen sich BARF-, Koch-, Fertigfutter- und Mischrationen auf Grundlage etablierter Bedarfswerte überprüfen. In meiner Ausbildung zum Hundeernährungsberater lernst du außerdem, Fütterungsschemata fachlich zu beurteilen und individuelle Rationen nachvollziehbar zu berechnen.

Autorin: Heidi Herrmann

Quellen und fachliche Grundlagen

  • Merck Veterinary Manual: The Digestive System of Beef Cattle. Fachliche Übersicht zu Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen.
  • USDA FoodData Central: Datensätze zu rohem Rinderpansen. Die ausgewiesenen Nährstoffgehalte variieren nach Herkunft und Datensatz.
  • Meyer und Zentek: Ernährung des Hundes. Grundlagen der Futtermittelkunde und Bedarfsdeckung.
  • FEDIAF Nutritional Guidelines: Referenzwerte für die bedarfsgerechte Ernährung von Hunden und Katzen.

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