Dein Pferd nimmt schnell zu? So fütterst du leichtfuttrige Pferde richtig

Leichtfuttrige Pferde richtig Füttern

Nimmt dein Pferd schon bei kleinen Futtermengen zu? Dann gehört es vermutlich zu den leichtfuttrigen Pferden. Gerade robuste Rassen wie Haflinger, Fjordpferde, Welsh Ponys oder Iberer verwerten ihr Futter besonders effizient.

Weniger zu füttern ist jedoch meist nicht die Lösung. Entscheidend ist eine Ration, die Energie begrenzt und dein Pferd trotzdem mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt

Deshalb reicht es nicht aus, einfach weniger Heu oder Weidegras anzubieten. Entscheidend ist eine bedarfsgerechte Fütterung, die Energie begrenzt, aber dennoch alle lebenswichtigen Nährstoffe liefert.

Übergewicht und Nährstoffmängel treten häufig gleichzeitig auf. Bei Nährstoffmängeln funktioniert der Stoffwechsel nur eingeschränkt und ein Fettabbau wird verhindert.

Gerade leichtfuttrige Ponys profitieren von einer individuell berechneten Futterration. So kannst du Übergewicht vermeiden, ohne dass dein Pferd oder Pony wichtige Nährstoffe missen muss.

Was bedeutet "leichtfuttrig"?

Leichtfuttrige Pferde benötigen deutlich weniger Energie als viele andere Rassen. Ihr Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, auch aus kargem Futter möglichst viele Nährstoffe zu gewinnen. Diese Eigenschaft war früher ein großer Vorteil, wird heute jedoch häufig zum Problem. Besonders betroffen sind unter anderem:
  • Haflinger
  • Fjordpferde
  • Shetlandponys
  • Welsh Ponys
  • Lusitanos
  • viele weitere robuste Rassen

Stehen diese Pferde lange auf energiereichen Weiden oder erhalten rund um die Uhr Heu ohne Bewegungsausgleich, nehmen sie schnell an Gewicht zu. Das Risiko für Stoffwechselerkrankungen steigt deutlich.

Warum weniger Futter nicht automatisch die Lösung ist

Viele Pferdehalter reduzieren bei Übergewicht einfach die Futtermenge. Dadurch sinkt zwar die Energieaufnahme, gleichzeitig werden jedoch auch Eiweiß, Mineralstoffe und Spurenelemente reduziert. Das kann dazu führen, dass das Pferd zwar langsam abnimmt, aber nicht durch Abbau der Fettreserven, sondern durch Abbau der Muskulatur. Bei einer Unterversorgung schwächelt der Stoffwechsel. Besonders häufig fehlen:
  • Aminosäuren, essentielle Fettsäuren
  • Natrium, Magnesium, Zink, Kupfer, Selen
  • Vitamine

Eine dauerhafte Unterversorgung kann sich unter anderem durch Leistungsabfall, schlechtes Hufhorn, Fellprobleme oder eine geschwächte Immunabwehr bemerkbar machen.

Ein typisches Beispiel aus der Praxis

Ein Pony mit rund 400 Kilogramm Körpergewicht stand tagsüber auf einer nahezu abgefressenen Weide und erhielt nachts lediglich etwa drei Kilogramm Heu im Heunetz.

Auf den ersten Blick schien diese Ration ausreichend zu sein, um weiteres Übergewicht zu vermeiden. Bei genauer Berechnung zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Der Energiebedarf wurde gerade noch gedeckt, hochwertiges Eiweiß sowie zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente fehlten dagegen deutlich.

Solche Fütterungsfehler bleiben oft lange unbemerkt und können langfristig gesundheitliche Folgen haben.

So lässt sich die Fütterung sinnvoll gestalten

Das Ziel ist nicht, das Pferd möglichst wenig fressen zu lassen. Viel wichtiger ist eine ausreichende Fresszeit bei gleichzeitig kontrollierter Energieaufnahme.

Bewährt haben sich unter anderem folgende Maßnahmen:

Energieärmere Raufutter ergänzen

Stroh kann – je nach Gesundheitszustand und individueller Situation – einen Teil der Heuration ersetzen und verlängert gleichzeitig die Beschäftigung mit dem Futter. Wichtig ist dabei eine langsame Gewöhnung und eine ausreichende Wasseraufnahme.

Auch geeignete Äste, beispielsweise von Weide, Haselnuss, Linde oder ungespritzten Obstbäumen, bieten zusätzliche Beschäftigung und unterstützen das natürliche Kaubedürfnis.

Fehlende Nährstoffe gezielt ergänzen

Wird die Energieaufnahme reduziert, sollte die Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen überprüft werden. Ein hochwertiges Mineralfutter kann Versorgungslücken schließen, ohne unnötig zusätzliche Energie zu liefern.

Welche Ergänzung sinnvoll ist, hängt jedoch immer von der gesamten Ration und den individuellen Bedürfnissen des Pferdes ab.

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Fütterung

Der Energiebedarf eines Pferdes steigt mit jeder Form von Bewegung. Je aktiver das Pferd ist, desto mehr Futter kann es verwerten, ohne zuzunehmen.

Regelmäßiges Reiten, Fahren oder gezielte Arbeit vom Boden fördern nicht nur den Kalorienverbrauch, sondern unterstützen auch Muskulatur, Stoffwechsel und allgemeine Gesundheit.

Aktivställe sorgen zwar für mehr tägliche Bewegung, ersetzen jedoch meist kein zusätzliches Training. Wer ein leichtfuttriges Pferd gesund halten möchte, sollte deshalb Bewegung bewusst in den Alltag integrieren.

Führanlage bei leichtfuttrigen Pferden
Norweger-Pferd in Führanlage
Fütterung des leichtfuttrigen Pferdes
Tinker-Pony mit Maulkorb

Wann ein Fressbremsen-Maulkorb sinnvoll sein kann

Bei Pferden oder Ponys mit starkem Übergewicht oder bereits bestehenden Stoffwechselerkrankungen wie Equinem Metabolischem Syndrom (EMS) kann ein gut angepasster Fressbremsen-Maulkorb während des Weidegangs sinnvoll sein.

Dadurch wird die Grasaufnahme reduziert, ohne dass das Pferd vollständig auf Sozialkontakte oder Bewegung auf der Weide verzichten muss. Wichtig sind eine gute Passform sowie regelmäßige Kontrolle auf Scheuerstellen am Kopf und der Abnutzung der Schneidezähne.

Praxistipp: Überprüfe die Fressgeschwindigkeit deines Pferdes

Bei diesem Fütterungsversuch bekamen drei Pferde, darunter ein Haflinger mit Maulkorb, jeweils 500 g Heu zu fressen. Als Fresszeit wurde festgehalten:

Knabstrupper: 12 Minuten 

Pony: Mitte 20 Minuten

Haflinger mit Maulkorb: 21 Minuten

So fütterst du leichtfuttrige Pferde richtig

Jede Ration sollte individuell berechnet werden

Der Futterbedarf hängt von vielen Faktoren ab:
  • Rasse
  • Körpergewicht
  • Alter
  • Arbeitsleistung
  • Haltung
  • Gesundheitszustand
  • Qualität von Heu und Weide

Gerade leichtfuttrige Pferde profitieren deshalb von einer individuell berechneten Futterration. So lassen sich Übergewicht vermeiden und gleichzeitig alle wichtigen Nährstoffe bedarfsgerecht zuführen.

Du bist unsicher, ob dein Pferd optimal versorgt ist? Gerne unterstütze ich dich mit einer individuellen Rationsberechnung oder einer Futterberatung.

Ich würde mich natürlich auch auf dich als TeilnehmerIn in der nächsten Ausbildung Pferdeernährungsberater freuen.

Dein Pferd nimmt schnell zu? So fütterst du leichtfuttrige Pferde richtig