Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche stehen auf fast jeder Katzenfutterverpackung. Was diese Angaben tatsächlich bedeuten, bleibt für viele Katzenhalter jedoch unklar. Besonders auffällig ist, was auf dem Etikett meistens fehlt: der Kohlenhydratanteil.
In diesem Beitrag zeige ich euch, wie ihr die analytischen Bestandteile eines Katzenfutters lesen, die sogenannten N-freien Extraktstoffe näherungsweise berechnen und warum ein Vergleich mit dem natürlichen Beutetier aufschlussreich ist. Dafür nutze ich nicht nur Literaturwerte.
Im Jahr 2021 habe ich die Menge von 300 g Mäusen im Labor auf Hauptnährstoffe, Mineralstoffe, Aminosäuren und Vitamine untersuchen lassen.
Was bedeutet Weender Analyse
Die auf Futtermittelverpackungen angegebenen analytischen Bestandteile gehen auf die klassische Weender Futtermittelanalyse zurück. Dabei wird das Futter in analytisch definierte Stoffgruppen aufgeteilt. Das Wort Roh bedeutet hier weder roh gefüttert noch Rohstoff. Es weist darauf hin, dass die jeweilige Gruppe mit einem festgelegten Analyseverfahren erfasst wird und verschiedene Einzelsubstanzen umfassen kann.| Angabe | Was sie beschreibt |
|---|---|
| Rohprotein | Stickstoffhaltige Verbindungen; der Wert allein zeigt weder Proteinquelle noch Verdaulichkeit. |
| Rohfett | Mit dem Analyseverfahren erfasste fettlösliche Bestandteile. |
| Rohfaser | Einen Teil der schwer oder nicht verdaulichen pflanzlichen Gerüstsubstanzen; nicht identisch mit allen Ballaststoffen. |
| Rohasche | Anorganischer Rückstand nach vollständiger Verbrennung der Probe, vor allem Mineralstoffe; keine zugesetzte Asche. |
| Feuchtigkeit | Wasseranteil des Futters. Trockenfutter enthält häufig 8 bis 12 Prozent, Nassfutter meist etwa 75 bis 82 Prozent. |
Die Werte helfen bei der ersten Beurteilung. Sie sagen jedoch nicht automatisch, ob hochwertige Rohstoffe verwendet wurden, wie verdaulich das Protein ist oder ob sämtliche essenziellen Nährstoffe bedarfsdeckend enthalten sind. Auch ein Futter mit hohem Rohproteingehalt kann ernährungsphysiologisch unpassend zusammengesetzt sein.
Wo stehen die Kohlenhydrate
Kohlenhydrate müssen auf Katzenfutter in der Regel nicht als eigene analytische Gruppe ausgewiesen werden. Sie lassen sich über die N-freien Extraktstoffe, kurz NfE, näherungsweise bestimmen. Dazu werden alle angegebenen beziehungsweise angenommenen Bestandteile von 100 Prozent abgezogen.
NfE in Prozent = 100 − Rohprotein − Rohfett − Rohfaser − Rohasche − Feuchtigkeit
Der errechnete Rest besteht überwiegend aus Stärke und Zucker, kann aber auch lösliche Faserbestandteile und die Messabweichungen der übrigen Analysewerte enthalten. Die NfE sind deshalb eine Schätzung und keine direkte Kohlenhydratmessung. Für den Vergleich verschiedener Futter liefern sie dennoch eine hilfreiche Größenordnung.
Beispielrechnung für ein Trockenfutter
Nehmen wir ein Trockenfutter mit folgenden analytischen Bestandteilen:| Bestandteil | Anteil in der Originalsubstanz |
|---|---|
| Rohprotein | 29,0 % |
| Rohfett | 21,0 % |
| Rohfaser | 5,0 % |
| Rohasche | 6,5 % |
| angenommene Feuchtigkeit | 10,0 % |
| rechnerischer Rest NfE | 28,5 % |
100 − 29 − 21 − 5 − 6,5 − 10 = 28,5 Prozent NfE
Damit bestehen rechnerisch 28,5 Prozent des Trockenfutters aus N-freien Extraktstoffen. Bezogen auf die Trockensubstanz fällt der Anteil noch höher aus. Nach Abzug von 10 Prozent Wasser bleiben 90 Prozent Trockensubstanz.
28,5 ÷ 90 × 100 = 31,7 Prozent NfE in der Trockensubstanz
Die Umrechnung auf Trockensubstanz ist wichtig, wenn Futtermittel mit sehr unterschiedlichem Wassergehalt verglichen werden. Ein Wert aus Nassfutter und ein Wert aus Trockenfutter sind in der Originalsubstanz nicht unmittelbar vergleichbar.
Was zeigt die Laboranalyse einer Maus
Um die Zusammensetzung des natürlichen Beutetiers nicht nur anhand überlieferter Durchschnittswerte zu beurteilen, hatte ich 2021 Mäuse im Labor untersuchen lassen. Analysiert wurden unter anderem Trockensubstanz, Feuchtigkeit, Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche, Mineralstoffe, ausgewählte Aminosäuren und Vitamine.Alle folgenden Hauptbestandteile wurden in der Originalsubstanz, also einschließlich des enthaltenen Wassers, angegeben. Dadurch lassen sie sich direkt mit den Werten auf einem Futteretikett in der Originalsubstanz vergleichen.
| Laborwert Maus | Ergebnis |
|---|---|
| Feuchtigkeit | 69,1 % OS |
| Trockensubstanz | 30,9 % OS |
| Rohprotein | 21,5 % OS |
| Rohfett | 3,1 % OS |
| Rohasche | 4,3 % OS |
| Rohfaser | 0,8 % OS |
| umsetzbare Energie Katze | 4,9 MJ/kg OS | 490 KJ/100 g |
Aus diesen Hauptbestandteilen ergibt sich für die Maus ein rechnerischer NfE-Rest von ungefähr 1,2 Prozent in der Originalsubstanz:
100 − 69,1 − 21,5 − 3,1 − 4,3 − 0,8 = 1,2 Prozent NfE
Auch hier handelt es sich um einen Differenzwert und nicht um eine direkte Kohlenhydratmessung. Der Größenunterschied bleibt dennoch eindrucksvoll: Die untersuchte Maus enthielt rund 69 Prozent Wasser und nur etwa 1,2 Prozent rechnerische NfE. Das Trockenfutterbeispiel enthielt dagegen ungefähr 10 Prozent Wasser und 28,5 Prozent NfE.
| Bestandteil | Laboranalyse Maus | Trockenfutter Beispiel |
|---|---|---|
| Feuchtigkeit | 69,1 % | ca. 10,0 % |
| Rohprotein | 21,5 % | 29,0 % |
| Rohfett | 3,1 % | 21,0 % |
| Rohasche | 4,3 % | 6,5 % |
| Rohfaser | 0,8 % | 5,0 % |
| rechnerische NfE | ca. 1,2 % | 28,5 % |
Der Vergleich soll ein Alleinfuttermittel nicht auf eine Maus reduzieren. Ein bedarfsdeckendes Katzenfutter muss auch Schwankungen zwischen einzelnen Beutetieren ausgleichen und alle essenziellen Nährstoffe langfristig sicher liefern. Die Laboranalyse macht aber anschaulich, wie deutlich sich das natürliche Beutetier hinsichtlich Wasser- und Kohlenhydratanteil von einem typischen Trockenfutter unterscheidet.
Mehr als Protein und Fett
Die weiterführende Untersuchung der Maus zeigt, warum das Beutetierprinzip nicht allein über Protein, Fett und Wasser erklärt werden sollte. In der Originalsubstanz wurden unter anderem 0,25 Prozent Taurin, 1,01 Prozent Arginin, 12 Gramm Calcium und 8 Gramm Phosphor je Kilogramm ermittelt. Daraus ergibt sich in dieser Probe ein Calcium-Phosphor-Verhältnis von 1,5 zu 1.
Diese Einzelanalyse ist kein universeller Normwert für jede Maus. Alter, Ernährungszustand, Herkunft und Untersuchungsmethode können die Zusammensetzung beeinflussen. Sie zeigt jedoch sehr anschaulich, dass ein vollständiges Beutetier zahlreiche Nährstoffe in einer natürlichen Matrix liefert. Reines Muskelfleisch bildet diese Zusammensetzung nicht ab.
Die Werte meiner Mausanalyse erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch im Skript der Zusatzausbildung Katzenernährung. Zusätzlich sind sie in unserem Rationsrechner hinterlegt und können dort in die Berechnung von Katzenrationen einbezogen werden.
Gibt es eine Kohlenhydratobergrenze?
Katzen können aufgeschlossene Kohlenhydrate grundsätzlich verdauen und verwerten. Daraus folgt jedoch nicht, dass größere Kohlenhydratmengen ihrer natürlichen Ernährungsweise entsprechen. Ihr Stoffwechsel ist auf eine protein- und fettreiche, kohlenhydratarme Nahrung spezialisiert.
Eine viel beachtete Versuchsreihe von Hewson-Hughes und Mitarbeitern untersuchte, wie erwachsene Katzen ihre Aufnahme von Protein, Fett und Kohlenhydraten regulieren. Bei kohlenhydratreichen Versuchsfuttern zeigte sich eine tägliche Kohlenhydratobergrenze von ungefähr 300 Kilojoule. Hatten die Katzen diese Größenordnung erreicht, begrenzten sie ihre weitere Futteraufnahme. Dadurch nahmen sie bei einigen sehr kohlenhydratreichen Futtermitteln weniger Protein und insgesamt weniger Energie auf, als ihrem ermittelten Ziel entsprochen hätte.
Die Studie zeigt keine allgemeingültige 300-kJ-Regel. Sie liefert aber einen deutlichen Hinweis darauf, dass Katzen ihre Kohlenhydrataufnahme begrenzen und bei sehr kohlenhydratreichen Futtermitteln möglicherweise aufhören zu fressen, bevor ihr Protein- und Energiebedarf gedeckt ist.
In derselben Untersuchung lag das von den Katzen selbst gewählte tägliche Makronährstoffziel ungefähr bei 420 kJ aus Protein, 280 kJ aus Fett und nur 100 kJ aus Kohlenhydraten. Auch dieses Ergebnis unterstreicht die deutliche Präferenz für eine protein- und fettreiche Zusammensetzung. Es darf jedoch ebenfalls nicht als starre Rezeptur für jede Katze missverstanden werden.
Was bedeutet der Vergleich für die Futterwahl
Die Weender Analyse kann ein Futter nicht vollständig bewerten. Sie macht aber sichtbar, welche Fragen Katzenhalter stellen sollten. Wie viel Feuchtigkeit enthält das Produkt? Wie hoch ist der rechnerische NfE-Anteil? Handelt es sich um ein Alleinfuttermittel? Sind die tierischen Ausgangsstoffe nachvollziehbar beschrieben? Und passt die Energie- und Nährstoffversorgung zur jeweiligen Katze?
- Kohlenhydrate auf dem Etikett nicht suchen, sondern die NfE näherungsweise berechnen.
- Nass- und Trockenfutter für einen fairen Nährstoffvergleich auf Trockensubstanz umrechnen.
- Einen hohen Rohproteingehalt nicht automatisch mit hoher Proteinqualität gleichsetzen.
- Auf die Kennzeichnung als Alleinfuttermittel achten.
- Den Wassergehalt als eigenständiges Qualitätsmerkmal der Katzenfütterung berücksichtigen.
- Bei Erkrankungen nicht allein nach allgemeinen Prozentwerten füttern, sondern die Ration individuell anpassen lassen.
Für mich bleibt deshalb die feuchtigkeitsreiche, tierisch geprägte und bedarfsdeckende Fütterung die sinnvollste Grundlage. Ein geeignetes Nassfutter oder eine fachgerecht berechnete Koch- beziehungsweise Rohfutterration kommt der natürlichen Nahrung der Katze deutlich näher als ein stärkereiches Trockenfutter.
Die Grundlagen zur täglichen Fütterung, zur Flüssigkeitsversorgung und zur langsamen Futterumstellung findest du im Beitrag „Natürliche Katzenernährung: Wie du deine Katze richtig fütterst“
Autorin: Heidi Herrmann
Quellen und weiterführende Informationen
- Eigene Laboranalyse Maus, 2021. Chemisch-physikalische Untersuchung sowie Analyse ausgewählter Mineralstoffe, Aminosäuren und Vitamine.
- Hewson-Hughes AK et al. Geometric analysis of macronutrient selection in the adult domestic cat, Felis catus. Journal of Experimental Biology. 2011;214:1039-1051. doi:10.1242/jeb.049429.
- FEDIAF: Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs, Ausgabe September 2025.
- Europäische Union: Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln.
Häufig gestellte Fragen zu Katzenfutter
Ist die Maus das ideale Vorbild für Katzenfutter?
Die Maus verdeutlicht, wie eine natürliche Beute der Katze zusammengesetzt ist: Sie liefert nicht nur Muskelfleisch, sondern auch Innereien, Knochen, Fett, Flüssigkeit und weitere Bestandteile. Handelsübliches Katzenfutter muss eine Maus jedoch nicht exakt nachbilden. Entscheidend ist, dass es alle notwendigen Nährstoffe in bedarfsgerechter Menge enthält.
Warum reicht reines Muskelfleisch für Katzen nicht aus?
Muskelfleisch liefert hochwertiges Protein, aber keine ausgewogene Versorgung mit allen Mineralstoffen und Vitaminen. Insbesondere Calcium fehlt, während vergleichsweise viel Phosphor enthalten ist. Auch Taurin, Spurenelemente, essenzielle Fettsäuren und bestimmte Vitamine können langfristig nicht ausreichend zugeführt werden.
Ist ein hoher Fleischanteil automatisch ein Zeichen für gutes Katzenfutter?
Nein. Die Angabe allein sagt wenig darüber aus, welche tierischen Bestandteile verarbeitet wurden und ob das Futter den Bedarf der Katze vollständig deckt. Wichtiger sind eine nachvollziehbare Deklaration, geeignete Ausgangsprodukte und eine ausgewogene Nährstoffzusammensetzung.
Brauchen Katzen Kohlenhydrate?
Nein. Katzen sind obligate Carnivoren und benötigen keine Kohlenhydrate. Eine geringe Menge Faserstoffe sind für die Verdauung günstig. Katzen können aufgeschlossene Kohlenhydrate jedoch verwerten. Industrielles Katzenfutter wird mit Kohlenhydraten hergestellt. Ob der Einsatz unter Umständen sinnvoll ist, hängt vom individuellen Tier ab. Manche Katzen fressen nur Trockenfutter und verweigern alles andere.
Ist Trockenfutter grundsätzlich ungeeignet für Katzen?
Trockenfutter ist nicht automatisch ungeeignet. Wenn die Katze nichts anderes frisst, ist es besser als hungern. Es ist aber nicht artgerecht, enthält zu wenig Feuchtigkeit, besitzt eine hohe Energiedichte und enthält viele Kohlenhydrate. Deshalb müssen die Futtermenge, die gesamte Flüssigkeitsaufnahme und das Körpergewicht besonders aufmerksam kontrolliert werden.
Woran erkenne ich ein bedarfsdeckendes Katzenfutter?
Auf der Verpackung sollte das Produkt als Alleinfuttermittel gekennzeichnet sein. Diese Bezeichnung bedeutet, dass es bei bestimmungsgemäßer Fütterung den täglichen Nährstoffbedarf decken soll. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Deklaration: die analytischen Bestandteile, Zusammensetzung und Fütterungsempfehlung. Ernährungsberater für Katzen können Futtermittel mit Einzeldeklaration nachbauen und die Bedarfsdeckung rechnerisch überprüfen
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