Ein Hund kommt vom Spaziergang zurück und wirkt ungewöhnlich müde. Vielleicht frisst er schlechter, läuft plötzlich unrund oder möchte gar nicht mehr aufstehen. War da nicht vor einigen Tagen eine Zecke?
Nicht jede Veränderung nach einem Zeckenstich bedeutet, dass dein Hund krank ist. Doch manche durch Zecken übertragenen Infektionen können ernsthafte Folgen haben. Besonders tückisch: Die ersten Beschwerden sind häufig unspezifisch und treten manchmal erst Wochen später auf.
Welche Symptome solltest du ernst nehmen, und wann ist tierärztliche Hilfe notwendig?
Ein Golden Retriever, der plötzlich lahmte
Ein sechsjähriger Golden Retriever zeigte nach einem Urlaub in Polen eine Lahmheit vorne rechts. Gleichzeitig wirkte er auffallend schlapp. Seine Schleimhäute waren ungewöhnlich blass.
Die Blutuntersuchung ergab unter anderem:
| Blutuntersuchung | Ergebnis | Bedeutung |
|---|---|---|
| Hämatokrit | 22 % | Deutlich verminderter Anteil roter Blutkörperchen |
| Erythrozyten | 2,66 T/l | Stark erniedrigte Zahl roter Blutkörperchen |
| Thrombozyten | 58 G/l | Deutlich verminderte Zahl der Blutplättchen |
Die Untersuchung zeigte eine ausgeprägte Blutarmut (Anämie) und einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie). Im anschließenden PCR-Test, einem Verfahren zum Nachweis von Erreger-Erbgut, wurde Babesia canis nachgewiesen.
Dieser einzellige Parasit befällt rote Blutkörperchen und kann deren Zerstörung verursachen. Die Erkrankung heißt Babesiose und kann lebensbedrohlich verlaufen.
Der Fall zeigt, warum die Kombination mehrerer Beobachtungen so wichtig ist. Eine Lahmheit allein kann viele Ursachen haben. Zusammen mit deutlicher Schwäche und blassen Schleimhäuten ist sie jedoch ein Grund, sofort tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Übrigens: Eine Reise ins Ausland ist für eine Babesiose längst keine Voraussetzung mehr. Der Erreger wird inzwischen auch in Deutschland durch Zecken übertragen.
Hund nach Zeckenbiss schlapp: Welche Symptome sind gefährlich?
- Fieber und ungewöhnliche Müdigkeit: Dein Hund wirkt abgeschlagen, schläft auffallend viel oder verliert den Appetit.
- Blasse oder gelbliche Schleimhäute: Sie können auf eine Blutarmut oder andere ernsthafte Veränderungen hinweisen.
- Lahmheit und schmerzhafte Gelenke: Dein Hund läuft steif, humpelt oder möchte sich kaum bewegen.
- Rötlicher bis dunkelbrauner Urin: Ein mögliches Warnsignal für die Zerstörung roter Blutkörperchen, aber auch für andere Erkrankungen.
- Kleine Blutungen: Punktförmige Einblutungen am Zahnfleisch, Nasenbluten oder ungewöhnliche Blutergüsse können mit einem Mangel an Blutplättchen zusammenhängen.
- Unsicherer Gang, Krämpfe oder auffälliges Verhalten: Solche neurologischen Symptome müssen unverzüglich abgeklärt werden.
Welche Zeckenkrankheiten kommen beim Hund infrage?
Fünf Erkrankungen sind besonders wichtig. Sie unterscheiden sich in ihren Erregern und teilweise auch in den Beschwerden.
| Erkrankung | Mögliche Auffälligkeiten |
|---|---|
| Babesiose | Fieber, starke Schwäche, Blutarmut, blasse Schleimhäute, gelegentlich dunkel verfärbter Urin |
| Anaplasmose | Fieber, Mattigkeit, Gelenkschmerzen, Lahmheit, verminderte Blutplättchen |
| Borreliose | Bei klinisch erkrankten Hunden unter anderem Fieber, Gelenkentzündungen und Lahmheit |
| Ehrlichiose | Fieber, Schwäche, geschwollene Lymphknoten, Blutungsneigung; besonders bei entsprechender Reisevorgeschichte |
| FSME | Seltene klinische Erkrankung beim Hund, unter anderem mit Fieber, Bewegungsstörungen oder Krampfanfällen |
Die Symptome überschneiden sich erheblich. Eine Lahmheit beweist beispielsweise keine Borreliose, und nicht jeder Hund mit Fieber hat eine Zeckenkrankheit.
Hinzu kommt: Viele Hunde mit Kontakt zu Borrelien entwickeln überhaupt keine erkennbaren Beschwerden. Auch ein positiver Antikörpertest bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Borrelien die aktuellen Symptome verursachen.
Welche Zecken übertragen die Erreger?
In Deutschland sind insbesondere zwei Arten von Bedeutung:
Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) kann unter anderem Borrelien und Anaplasmen übertragen. In bestimmten Regionen ist er außerdem Überträger des FSME-Virus.
Die Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus), früher häufig Auwaldzecke genannt, ist ein wichtiger Überträger von Babesia canis.
Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) spielt vor allem in wärmeren Regionen Europas eine Rolle und kann beispielsweise Ehrlichien übertragen.
Zecken sind übrigens nicht ausschließlich im Sommer aktiv. Gerade die Wiesenzecke kann bereits bei niedrigen Temperaturen unterwegs sein.
Was tun, wenn dein Hund nach einem Zeckenstich krank wirkt?
Zunächst solltest du dir die Veränderungen möglichst genau merken oder notieren.
Seit wann ist dein Hund schlapp? Hat er Fieber? Lahmt er dauerhaft oder wechselnd? Wie sehen seine Schleimhäute aus? Hat sich die Farbe des Urins verändert?
Auch die Reisegeschichte ist wichtig. Wo war dein Hund in den vergangenen Wochen unterwegs? Gab es Aufenthalte im Ausland, Kontakt zu vielen Zecken oder eine Unterbrechung des Zeckenschutzes?
Du musst keine Zecke gefunden haben, damit eine Zeckenerkrankung möglich ist. Gerade bei dichtem Fell bleiben kleine Zecken leicht unbemerkt.
Die tierärztliche Untersuchung kann neben einem Blutbild gezielte Erregernachweise umfassen. Dabei ist die Unterscheidung wichtig: Ein PCR-Test sucht nach Erreger-Erbgut, während Antikörpertests Hinweise auf eine Immunreaktion beziehungsweise einen früheren oder aktuellen Erregerkontakt liefern können.
Welcher Test sinnvoll ist, hängt von den Symptomen, dem vermuteten Erreger und dem Zeitpunkt der Untersuchung ab.
Kann die Ernährung einen erkrankten Hund unterstützen?
Als Tierernährungsberaterin und Tierheilpraktikerin ist mir eine klare Abgrenzung wichtig: Eine Futterumstellung behandelt keine Babesiose, Anaplasmose oder andere Zeckeninfektion.
Während der Erkrankung können aber Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme oder ein veränderter Nährstoffbedarf auftreten. Dann kann eine individuell angepasste, gut verträgliche und bedarfsdeckende Fütterung die tierärztliche Behandlung begleiten.
Eine Blutarmut durch zerstörte rote Blutkörperchen ist allerdings nicht automatisch ein Eisenmangel. Eisenpräparate sollten deshalb nicht ohne nachgewiesenen Bedarf eingesetzt werden.
Wie kannst du deinen Hund vor Zecken schützen?
Der wichtigste Grundsatz lautet: Zecken möglichst vermeiden, frühzeitig entdecken und sachgerecht entfernen.
Suche deinen Hund nach Spaziergängen gründlich ab, besonders an Kopf, Ohren, Hals, Achseln, Leisten und zwischen den Zehen. Entferne gefundene Zecken möglichst rasch mit einer geeigneten Zeckenzange oder -karte.
Für Hunde mit Zeckenexposition ist außerdem ein wirksamer, individuell geeigneter Zeckenschutz wichtig. Dabei unterscheiden sich die verfügbaren Mittel in Wirkungsweise, Schutzdauer und möglichen Nebenwirkungen.
Nicht jedes Präparat verhindert bereits den Stich. Manche Wirkstoffe töten Zecken erst nach Kontakt beziehungsweise Blutaufnahme ab. Auch deshalb lohnt sich eine differenzierte Betrachtung.
Naturheilkundliche Mittel können nicht pauschal als gleichwertiger Ersatz für einen nachgewiesen wirksamen Zeckenschutz angesehen werden.
Fazit: Nicht jede Zecke macht krank – aber Warnzeichen zählen
Eine Zecke am Hund ist noch kein Grund zur Panik. Entwickelt dein Hund jedoch Fieber, ungewöhnliche Schwäche, Lahmheit oder andere auffällige Symptome, solltest du auch an eine durch Zecken übertragene Erkrankung denken.
Der Golden Retriever aus unserem Praxisbeispiel zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur ein einzelnes Symptom zu betrachten. Die blassen Schleimhäute und die ausgeprägte Abgeschlagenheit waren ernst zu nehmende Warnsignale.
Mein wichtigster Rat: Beobachte deinen Hund aufmerksam, nimm Veränderungen ernst und lasse verdächtige Beschwerden frühzeitig tierärztlich abklären. Je schneller eine schwere Infektion erkannt wird, desto früher kann gezielt behandelt werden.
Autorin: Heidi Herrmann