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Heuanalyse beim Pferd: Warum Du wissen solltest, was im Heu steckt

Heuernte mit Heuballen auf einer Wiese und mit einer Heuanalyse zur Veranschaulichung

Acht Kilogramm Heu sind acht Kilogramm Heu? Für die Waage stimmt das. Für die Versorgung Deines Pferdes kann es einen erheblichen Unterschied machen.

Ohne Heuanalyse wüssten wir nicht, dass unser Haflinger mit 8 kg “Heu B” 25 % zu viel Energie bekommt und wir wüssten auch nicht, dass unser Pferd mit dem “Heu A” unbedingt ein aminosäurehaltiges Ergänzungsfutter benötigt.

Als Pferdewirtschaftsmeisterin und Tierernährungsberaterin interessiert mich am Heu deshalb nicht nur die Farbe, der Geruch und die Struktur, sondern ich möchte wissen, was es tatsächlich liefert.

Gerade für Pensionsbetriebe, die viele Pferde aus derselben Partie versorgen, lohnt sich dieser Blick besonders.

Haflinger an Heuballen mit Vergleich zweier erster Schnitte: Energie und dünndarmverdauliches Rohprotein aus jeweils acht Kilogramm Heu
KI-generierte Illustration

Eine Untersuchung für Pferde erfasst je nach gewähltem Paket unterschiedliche Werte wie Trockensubstanz, Energie, Rohprotein beziehungsweise dünndarmverdauliches Rohprotein (dvRP), Rohfaser, ADF, NDF, Zucker und Fruktan. Ein ergänzendes Mineralstoffpaket zeigt beispielsweise Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Schwefel und Spurenelemente.

Analysen für Wiederkäuer enthalten einige Werte, die für Pferde nicht geeignet sind.

Hygieneuntersuchungen auf Keime und Schimmel sind ein eigener Auftrag. Diesen wird man erteilen, wenn das Heu auffällig staubt, einen muffigen Geruch hat oder die Leberwerte von einigen der Pferde erhöht gemessen wurden.

Nährstoffanalyse und hygienische Unbedenklichkeit sind zwei verschiedene wichtige Informationen. Wobei man nach der Sinnenprüfung meistens auf eine Untersuchung auf Keime verzichten kann. Auch die Untersuchung auf giftige Pflanzen wäre möglich. Diese sieht man in getrocknetem Gras (Heu) kaum.

Die Trockensubstanz (TS) ist wichtig, damit du Angaben je Kilogramm Originalheu und je Kilogramm TS nicht verwechselst. Rohfaser gibt eine erste Orientierung zur Struktur. ADF beschreibt schwerer verdauliche Zellwandbestandteile, vor allem Cellulose und Lignin. NDF erfasst zusätzlich Hemicellulose, die vom Pferd gut verwertet werden kann. Höhere Faserwerte können auf reiferes, weniger gut verwertbares Heu hinweisen. Sie ersetzen aber weder die Energieangabe noch die Beobachtung, wie viel Dein Pferd davon tatsächlich frisst.

Die Analyse ist keine Diagnose und keine Bewertung nach dem Motto „gut“ oder „schlecht“. Ein energieärmeres Heu kann zu einem leichtfuttrigen Pferd passen und für ein altes, schwerfuttriges Pferd ungeeignet sein. Ohne die Werte lässt sich das schwer beurteilen.

Warum die Mineralfutteranalyse allein nicht reicht

Bei einem Pferd im Erhaltungsbedarf sind Heu und Weide in der Regel die Hauptnahrung. Hafer, Müsli oder andere Ergänzungen kommen je nach Pferd dazu. Mineralfutter macht mengenmäßig oft nur einen sehr kleinen Teil aus. In meinem Beispiel eines Sportpferdes mit deutlich mehr Zusatzfutter entfallen rund 69 % der Futtermenge auf Heu und weitere 14 % auf Stroh. Dem stehen 14 % Zusatzfutter und 3 % Ergänzungsfutter gegenüber. Die Anteile sind gerundet; die kleine, separat erfasste Mineralfutterposition ist in der Grafik nicht dargestellt.

Mengenanteile von Heu, Stroh und ergänzenden Futtermitteln in der Beispielration eines Sportpferdes
Mengenanteile von Heu, Stroh und Zusatzfuttern in der Beispielration eines Sportpferdes. KI-generierte Grafik

Die Deklaration des Mineralfutters zeigt nur, was hinzukommt. Ohne die Gehalte des Heus weißt du nicht, wie viel Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Schwefel oder Spurenelemente bereits in der Grundration stecken. Erst dann kannst Du gezielt ergänzen und die gesamte Ration beurteilen.

So gibst Du die Heuanalyse in Auftrag

Wähle ein Labor mit einem Untersuchungspaket für Pferde und fordere dessen aktuellen Probenahmebogen an. Für eine Rationsberechnung sollten mindestens Trockensubstanz, Energie für Pferde, Rohprotein beziehungsweise dünndarmverdauliches Rohprotein, Rohfaser, ADF, NDF, Zucker und Fruktan enthalten sein. Mineralstoffe und Spurenelemente bestellst Du passend zur Fragestellung hinzu. Besteht Verdacht auf Staub, Schimmel oder Verderb, frage zusätzlich nach der passenden Hygieneuntersuchung. Sichtbar verschimmeltes Heu braucht keine Analyse mehr und sollte entsorgt werden.

Trenne unterschiedliche Wiesen, Schnitte oder Erntepartien. Entnimm aus mehreren repräsentativen Ballen Material aus verschiedenen Schichten, nicht nur von außen. Bei geschlossenen Ballen erleichtert ein Probenbohrer die Entnahme. Dieser lohnt sich eher nur für häufige Anwendung z.B. für Pensionsbetreiber. Alternativ kann man die Heuprobe auch zusammen sammeln. Sprich über vier bis acht Wochen nimmt man Proben der geöffneten Großballen und lagert diese erst einmal separat, zum Beispiel in einem sauberen Papiersack. Dann werden diese Proben gemischt und die vom Labor verlangte Menge abgefüllt, am besten auch wieder in eine Papiertüte. Diese wird mit dem ausgefüllten Untersuchungsauftrag verschickt. Die LUFA Nord-West beschreibt beispielsweise bis zu 20 Teilproben und rund 300 g Versandmenge. Andere Labore können andere Vorgaben haben. Für die Nährstoffanalyse wartet man sinnvollerweise die Schwitz- und Ablagerungsphase ab.

Kennst du den Landwirt, der dein Heu herstellt, vereinbare mit ihm eine gemeinsame Beprobung, bevor das Heu in Ballen gepresst wird. Der Kauf direkt ab der Wiese ist meist auch günstiger.

Was Wässern an der Ration verändert

Eine meiner Heupartien habe ich unbehandelt sowie nach 30 Minuten Wässern in kaltem und warmem Wasser analysieren lassen. Je Kilogramm Heu sanken die gemessenen Zuckerwerte von 130 auf 120 beziehungsweise 98 g und Fruktan von 90 auf 85 beziehungsweise 65 g. Zugleich fiel Kalium von 11,2 auf 7,6 beziehungsweise 4,65 g und Zink von 27 auf 16 beziehungsweise 12 mg. Auch Magnesium veränderte sich. Das ist ein Einzelversuch, keine feste Auswaschquote für jedes Heu. Die Temperatur, Wassermenge, Dauer und die Heupartie beeinflussen das Ergebnis. Bei bedampftem Heu verliert sich auch nicht nur Zucker und Fruktan. Dass muss bei der Fütterung und Mineralisierung beachtet werden.

Tabelle mit Zucker, Fruktan, Kalium, Magnesium und Zink in Originalheu und gewässertem Heu
Originalheu und 30 Minuten gewässertes Heu in kaltem und warmem Wasser im Vergleich. Grafik mit KI-Unterstützung erstellt; Messwerte aus eigenen Heuanalysen

Von der Heuanalyse zum Futterplan

Eine Heuanalyse macht aus einem Ballen noch keinen Futterplan. Sie liefert aber die Grundlage, um die tatsächlich gefressene Menge mit Bedarf, Körperzustand und weiterer Fütterung abzugleichen. In meinem Artikel zur Heuaufnahme zeige ich, wie Du die Menge besser einschätzt. Wie daraus eine Gesamtration wird, erkläre ich im Beitrag zur Rationsberechnung beim Pferd. Im G&H Rationsrechner kannst Du Deine eigene Heuanalyse als Grundlage verwenden und in der Ausbildung zum Pferdeernährungsberater üben wir die Beurteilung solcher Befunde an praktischen Beispielen.

Autorin: Heidi Herrmann

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