BARF – eine populäre Form der Hundeernährung

Die etwas andere Sicht auf das Thema BARF

BARF (Bone And Raw Food) ist eine Form der Hundeernährung, die sich an der Wolfsernährung orientiert und bei der Rohfleisch inkl. Innereien und Knochen meist zusammen mit Gemüse verfüttert wird. Viele Tierbesitzer entscheiden sich für diese Ernährungsform, weil sie als sehr “natürlich” angesehen wird. Doch ohne genügend Kenntnisse ist die gut gemeinte Fütterungsart nicht immer bedarfsdeckend für das Tier.

Spätestens nach der Lektüre von Hans Ulrich Grimms Buch „Katzen würden Mäuse kaufen“ hat so mancher Tierbesitzer beschlossen, sich von industrieller Fast-Food-Ernährung abzuwenden. Das ist auch gut so!

In Barf-Büchern kann man genau nachlesen wie es gemacht wird und so denkt der Hundebesitzer, dass es doch ganz einfach wäre, seinen Hund wie einen Wolf zu ernähren und das Beutetier nachzubauen! Doch das stimmt offensichtlich nicht ganz, denn vielen gebarften Hunden, die zu mir in die Ernährungsberatung kommen, geht es nicht gut. Heftiges Grasfressen, morgendliches Erbrechen, Fressen von Kot und Unrat, Untergewicht etc. gehören zu den auftretenden Problemen.

Unsere Hunde sind nicht mehr mit Wölfen zu vergleichen. Nicht einmal 10 % von ihnen könnten auf sich allein gestellt draußen überleben. In unserer heutigen Zeit werden Hunde häufig als Partner- oder Kind-Ersatz gehalten, schlafen im Bett, befinden sich zu 90 % in der klimatisierten Wohnung und werden an der Laufleine ausgeführt. Alles in Ordnung, kein Problem, schön für die Hunde.
Doch diese Art der Hundehaltung hat natürlich nichts mehr mit einem Wolfsleben in freier Natur zu tun. Bei der Ernährung will man sich aber trotzdem an dem Wildtier orientieren. Und das ist ein Widerspruch: Leben wie ein Mensch – Fressen wie ein Wolf.

Es ist gut, sich wieder darauf zu besinnen seinen Hund selbst zu ernähren. Es ist auch gut, auf die sterilisierte und mit allerlei Zusätzen versehene Fertignahrung zu verzichten. Die reine BARF-Ernährung vertragen aber viele Hunde nicht mehr und sie ist so ganz ohne Zusätze auch nicht bedarfsdeckend.

Der Hund ist seit Jahrtausenden an der Seite des Menschen

Denken wir zurück an die letzten 100 Jahre. Wie haben Menschen da gelebt? Denken Sie an Ihre Großeltern. Wie wurden Hunde in dieser Zeit gefüttert? Denken wir zurück an die letzten 1000 Jahre. Was bekamen Hunde zu fressen? Wie ernähren sich verwilderte Hunde? Jagen diese nach Beutetieren um 100 % Tierisches zu bekommen? Nein! Verwilderte Hunde suchen menschliche Abfälle und betteln. Das haben sie in den letzten Jahrtausenden so gemacht und tun das auch noch heute. Siehe „Pizzahunde“ von Günter Bloch oder googeln Sie mal nach den Straßenhunden in Moskau oder Südafrika.

Unsere Hunde sind Kulturfolger. Anders hätten sie niemals diese Verbreitung erreichen können. Hetzen tun sie alle noch gern, aber töten und ihre Beutetiere fressen, können wahrscheinlich nur noch 10 % der Hundepopulation.

Der Trend BARF hat sich erst seit ca. 30 Jahren so verbreitet und hat natürlich auch mit unserem Wohlstand zu tun. Menschen aus ärmeren Ländern können das Leben und die Ernährung unserer Hunde nicht begreifen. Fleisch für die Hunde – Brot für die Welt? So viele Menschen leben im Mangel und in der Not. Für die sind unsere Barf-Rationen purer Hohn.

Barfen ohne Nahrungsergänzungen?

Lässt sich der Bedarf eines Hundes ohne Nahrungsergänzungen decken? Dies bejahen die Verfechter des Barfens. Aber darüber lässt sich trefflich streiten.

Wenn man sich die Futtermenge eines Wolfes anschaut, so nimmt er täglich zwischen 6 bis 8 % seines Körpergewichtes an Beutetieren auf. Es lässt sich daraus errechnen, wieviel Protein, Fett, Mineralien und Vitamine er damit aufnimmt. Die für Hunde empfohlenen wissenschaftlichen Bedarfszahlen liegen unter diesen angenommenen Werten. Anorganische (natürliche) Mineralien werden nur zwischen 20 und 60 % aufgenommen.

Die in Industrienahrung verwendeten Nährstoffe sind für die optimale Resorption (Aufnahme) aufbereitet und gleichen die durch Getreideanteile verursachte schlechtere Verwertbarkeit aus.

Wie bei allen domestizierten Tierarten ohne Leistung, verursachen die geringeren Mengen an Nahrung (um Übergewicht zu vermeiden) Mängel bezüglich vieler Nährstoffe. Das sollte man berücksichtigen und über Nahrungsergänzungen ausgleichen.

Darm und Grünzeug

Die Innereien von kleineren Schlachttieren, wie Schaf, Ziege, Damwild etc. sind um einiges dünnwandiger und damit leichter verdaulich, als die vom großgezüchteten Rind.

Kaum jemand kann völlig artgerecht Darm mit Inhalt füttern. Es wird aber wahnsinnig gern von Hunden gefressen, enthält es doch reichlich gut verdaute pflanzliche Bestandteile mit Enzymen und von den Bakterien produzierten Vitaminen (K, B) und Fettsäuren. Ohne diesen Beutetierbestandteil kommt man um püriertes Gemüse und einige Ergänzungen nicht herum.

Fehler beim Barfen

Überwiegend wird mit gewolftem Fleisch gebarft, weil sich da zum Beispiel püriertes Gemüse gut untermischen lässt und die Anwendung schneller und einfacher für den Halter ist. Häufig wird die Frage nach „Fertigbarf“ gestellt, wo alles schon enthalten ist. Nur hat der nette Metzger von nebenan nicht unbedingt Ahnung von Hundeernährung und könnte auch gar kein Fertigbarf produzieren, das den Bedürfnissen ALLER Hunde gerecht wird.

Gewolftes Fleisch bleibt eine kürzere Zeit im Magen, wird dadurch weniger gut aufgeschlossen als stückiges Fleisch und kann deswegen Probleme machen (Übelkeit, Grasfressen, Erbrechen, Magengeräusche, Durchfall …). Wird nur einmal in der Woche Knochen gefüttert und auf Nahrungsergänzungen verzichtet, fehlt an den übrigen sechs Tagen die Kalziumquelle. Das heißt, dass viel ungebremstes Phosphor durch den Körper geschleust wird, was wiederum der Niere schaden kann.

In der Natur gibt es weder gewolfte Beutetiere noch Beute ohne Knochen. Außerdem haben freilebende Tiere einen höheren Bedarf und nehmen somit größere Mengen an Nahrung und damit Nährstoffen auf.

Bitte planvoll füttern

Wenn Sie eine qualifizierte Ernährungsberatung buchen und einen individuellen Frischfütterungs-Wochenplan haben möchten, zahlen Sie ca. 80 Euro dafür. In einem solchen Plan werden das Alter, die Rasse, das Gewicht, etwaige Krankheiten, die Bewegungsfreude des Hundes und Besitzers etc. mit einbezogen. Berechnet werden daraus resultierend die Menge und Art des Futters und die Beigaben, die das Tier gesund erhalten.

Rationsberechnung händisch

Rationsberechnung händisch

Auch ohne Programm kann man sich die Ration für seinen Hund mal selbst überprüfen. Ernährungsberater arbeiten allerdings mit IT-Unterstützung.

Ein kluger Mann hat einmal gesagt, dass erst durch das Sonnenlicht Energie in unsere Nahrung kommt. Doch wieviel Nahrung (Kühe) hat denn wirklich die Sonne gesehen?
Industrienahrung macht viele Hunde krank und Hunde nur mit Abfällen zu füttern, wäre natürlich auch falsch. Deswegen:

Die Mischung macht´s

Mit einer ausgewogenen Mischkost kämen die meisten Hunde am besten klar. Und so wäre es besser, beim Barfen nach dem Motto „weniger ist mehr“ vorzugehen. Was bekommen Sie günstig als Fleisch und Innereien? Meist sind es Restabschnitte ausgebluteten Fleisches, Lunge, Pansen, Euter von großgezüchteten, falsch ernährten und gehaltenen Schlachttieren.

Verfüttern Sie besser Fleisch in Stücken und achten Sie dabei auf gute Qualität von vernünftig gehaltenen Tieren. In maßvollen Mengen kann man sich das dann auch eher leisten.

Und somit wäre ich bei einer handgefertigten Mischkost. Meine Empfehlung: Denken Sie auch an sich und kochen Sie für sich selbst frisch und integrieren Sie einen Teil davon in die Ration Ihres Hundes.

Es muss nicht 80 % Tierisches in der Ration sein. Mit 60 % lassen sich gut alle Aminosäuren decken. Kohlenhydrate sind nicht per se schlecht. Gern können Sie von Ihrem gekochten Reis, Kartoffeln, Hirse, Quinoa usw. etwas abgeben und dazu frisches Gemüse pürieren. Danach sollte ein sinnvoller Ausgleich der Vitamine und Mineralien erfolgen.

Knochen sind nicht für jeden Hund geeignet. Werden diese gefüttert, dann nur roh und nur Knochen, welche nicht splittern. Bitte keine Röhrenknochen, auch nicht von anscheinend jungen Tieren! Schlagen Sie einfach mal mit dem Hammer auf einen Röhrenknochen und Sie können sehen, wie scharfkantig dieser zerspringt. Knochenmehl liefert auch die gewünschten Mineralien.

Fettes Fleisch bringt mehr Energie, mageres Fleisch mehr Protein. Zu achten ist auch auf die Fettsäure; ein Fehlen von Linolsäure aus Geflügel oder langkettiger Omega-3-Fettsäure aus fettem Fisch kann sich negativ auf die Haut, das Immunsystem etc. auswirken.

Es muss nicht ausschließlich Muskelfleisch sein. Den Aufbruch eines Rehs vom Jäger von nebenan kann man selbstverständlich super in die Ration integrieren. Zuviel davon führt allerdings zu Durchfall.

Innereien

Von links: Herz mit Lunge, grüner Pansen, Leber, vorn Milz

Und wenn Ihre Ration bedarfsgerecht werden soll, suchen Sie sich einen gut ausgebildeten Ernährungsberater und investieren Sie einmalig in einen ausgewogenen Ernährungsplan. Danach wissen Sie, was und wieviel Sie brauchen und können nach Herzenslust frisch füttern.

Natürlich können Sie auch selbst die Ausbildung zum Hundeernährungsberater machen. Informieren Sie sich gern auf meiner Website über die Inhalte und Termine. Es finden deutschlandweit Live-Seminare, aber auch Webinare (Online, an Ihrem PC)) statt.