Wie verhindert man Übergewicht beim Pferd?

Jeder Pferdehalter weiß, dass ein dickes Pferd in großer Gefahr ist am equinen metabolischen Syndrom zu erkranken. Die Folge sind häufig schwerwiegende Stoffwechselprobleme wie Hufrehe, Cushing, Diabetes und anderes. Diese Pferde trifft es besonders: die leichtfuttrigen wie Freiberger, Haflinger, Fjordpferde, Spanier, Criollos etc.

Wie ist dieser Stoffwechseltyp entstanden? Es war in der Evolution fürs Überleben wichtig, mit wenig Nahrung auszukommen. Viele dieser leichtfuttrigen Pferde stammen aus Regionen, wo es nicht wochenlang hohes grünes Gras oder super Heu gab. Pferde aus südlichen Gefilden haben vor dem Sommer nur wenige Wochen Futter satt. Danach sind die Wiesen und Weiden vertrocknet und die Pferde müssen sich mit verdörrtem Gras, Ästen, Laub etc. versorgen. Die Pferde aus höheren Lagen hatten lange Winter mit knappen Nahrungsangebot zu überstehen und die Ponys der nördlichen Inseln kennen ebenfalls nicht den Nahrungsüberfluss unserer Region.

Fjordpferd

Diese Pferde, die mit wenig Futter auskommen und viele (Fett-) Reserven anlegen, aber dennoch große Leistung erbringen können, nennt man Nordpferde, auch wenn diese aus dem Süden kommen. Meist ist auch das Temperament an diese Überlebensstrategie angepasst.

Viele Freizeitreiter nutzen das bequeme Temperament, überschätzen aber deren Futterbedarf und unterschätzen deren Bewegungs- und Arbeitswillen.
Hand aufs Herz, wer kann mit seinem Pferd 3 bis 4 Stunden täglich arbeiten? Das wäre das mindeste, was man diesen Pferden abverlangen sollte. Damit hätten sie einen Bedarf, der sich mit unserer Fütterung verträgt. Meist sind es jedoch nur 3-4 Stunden in der Woche, in denen das Pferd geritten oder gefahren wird.  Viel zu wenig! Mit Reitbeteiligungen und einer Führanlage kann man das Problem der Unterforderung und des Übergewichtes etwas abfangen.

Hat man 1,5 Stunden Zeit, um das Pferd zu bewegen, könnte man es vor und nach dem Reiten noch eine halbe Stunde in der Führanlage Schritt gehen lassen. Damit hätte man wenigstens 2,5 Stunden Bewegung erzielt. Da man das sicherlich nicht jeden Tag schafft, braucht es zuverlässige Reitbeteiligungen.
Zusatzfutter wie Getreide brauchen nur Pferde mit wirklicher Leistung, aber nicht Pferde mit einem Minimum an Bewegung.

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Kaum ein Besitzer kann sagen wie schwer sein Pferd ist oder hat eine Vorstellung, wieviel es täglich frisst. Nicht im Winter und schon gar nicht im Sommer mit Koppelgang.
Dies wäre aber wichtig, um die Grund-Futtermittel wie Gras, Heu und Stroh, aber auch Äste geschickt über den Tag zu verteilen, damit der Bedarf des Pferdes gedeckt wird, es nicht hungern muss und trotzdem nicht fett gefüttert wird.

Bei der Ausbildung zum Pferdeernährungsberater lernt man dies alles: Gewicht und Body Condition Score vom Pferd ermitteln, Grundfutterqualitäten unterscheiden, Grasaufnahme schätzen, Bedarf ausrechnen, überlegen wie man den Bedarf durch Arbeit anheben kann und vieles mehr.

Eine 6-tägige Ausbildung zum Pferdeernährungsberater findet in 2016 noch in der Paracelsus Schule Karlsruhe statt. Einzelthemen via Webinar sind z.B. Grundfutter fürs Pferd, Darmwelten Pferd oder Wege aus dem Übergewicht des Pferdes. Weitere werden folgen.

Dickes Pferd

Gras und Heu kann völlig unterschiedlich Energie und Protein liefern: Hochzuckergräser der Rinderhaltung wie Deutsches Weidelgras, Luzerne oder Magerwiese.

Deutsches WeidelgrasBio-Wiese Luzerne